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Literatur
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Die Hebräische Buchwoche verwandelt jedes Jahr die Plätze und Parks der Städte und Dörfer in ganzen Land in gut besuchte Büchermärkte
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Israel bildet eine Inspirationsquelle für die israelischen Schriftsteller und Poeten. Als eine Nation des Fortschritts und der Entwicklung, die auf einem alten Erbe basiert, ist Israel in ein Netz von komplexen sozialen Beziehungen verstrickt. Veränderungen kommen schnell und heftig, wie es die Geschichte immer wieder gezeigt hat: Pionierzeit, Unabhängigkeitskampf, Aufbaujahre, Kriege und schließlich Masseneinwanderungswellen aus vielen Teilen der Welt.
Jede neue Ära, jede soziale Veränderung bringt neue Herausforderungen mit sich und schafft eine Dynamik von konstanter Rastlosigkeit und Unruhe. Prosa und Lyrik geben diese Dynamik zum einen durch eine Fülle biblischer Motive, Bilder und Ausdrücke wider, zum anderen durch andere jüdische Quellen (wie z.B. Mischna, Talmud oder Kabbala) sowie die kreativen Traditionen des jüdischen Volkes in der Diaspora, aber auch auf die Sprache und Ausdrucksweise des modernen alltäglichen Sprachgebrauchs.
Das Wiederaufleben des Hebräischen
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Hebräisch ist die Sprache Israels. Obgleich seit etwa 2000 Jahren im Alltag kein Hebräisch mehr gesprochen wurde, hat man es über die Jahrhunderte hinweg weiterhin als heilige Sprache in der Liturgie, Philosophie und Literatur benutzt. Im späten 19. Jahrhundert keimte Hebräisch als modernes kulturelles Medium wieder auf und wurde zu einem entscheidenden Faktor in der nationalen Erneuerungsbewegung, die im politischen Zionismus gipfelte. Während der britischen Mandatszeit (1918-48) wurde das Hebräische neben dem Englischen und Arabischen als eine der Amtssprachen des Landes anerkannt. So wurde der Gebrauch des Hebräischen auch in jüdischen Institutionen und im Erziehungswesen wieder eingeführt. Die hebräische Presse und Literatur erlebte ihre Blütezeit mit neuen Generationen von Autoren und Lesern. Heute ist Hebräisch eine reiche, lebendige Sprache. Der hebräische Wortschatz ist von etwa 8000 Wörtern in biblischen Zeiten auf mehr als 120000 Wörter im heutigen Hebräisch angewachsen. Die formale linguistische Entwicklung wird von der 1953 gegründeten Hebräischen Sprachakademie gesteuert.
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Eliezer Ben Yehuda (1858-1922) gab den entscheidenden Impuls für die Wiedergeburt des Hebräischen als gesprochene Sprache. Nachdem er 1881 nach Israel eingewandert war, führte Ben Yehuda als einer der ersten den Gebrauch des Hebräischen in Familie und Schule ein, schuf innerhalb des Sprachsystems Tausende von neuen Wörtern und gründete zwei hebräische Sprachzeitschriften. Zudem war er Mitbegründer des Hebräischen Sprachausschusses (1890) und stellte mehrere Bände des 17-bändigen Vollständigen Wörterbuchs des alten und modernen Hebräischen (Complete Dictionary of Ancient and Modern Hebrew) zusammen, das 1910 begonnen und 1959 von seiner Witwe und seinem Sohn vollendet wurde. |
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Prosa
Die erste hebräische Prosa im Land Israel wurde von eingewanderten Autoren geschrieben. Obgleich ihre Wurzeln in der Welt und den Traditionen des osteuropäischen Judentums verankert waren, behandelten ihre Werke in erster Linie die schöpferischen Leistungen in Israel, in das sie gekommen waren, um es zu erbauen und selbst von ihm erbaut zu werden. Josef Chajim Brenner (1881- 1921) und Shmuel Josef Agnon (1888-1970) schufen innovative Schreibstile, die eine neue hebräische Prosa des 20. Jahrhunderts entstehen ließen. Brenner und Agnon gelten weithin als die Väter der modernen hebräischen Literatur, wenngleich sie sich literarisch weder im Alleingang noch außerhalb des historischen Kontextes bewegten.
Brenner wurde angesichts der Schwierigkeiten der zionistischen Bewegung in Israel und der geringen spirituellen Qualität bestimmter Kreise innerhalb des Jischuw - der jüdischen Gemeinschaft in Palästina (Land Israel) vor der Staatsgründung - von Zweifeln geplagt und zeit seines Lebens zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin- und hergerissen. Er sah überall Fehler und Mängel und fürchtete zukünftige unheilvolle Entwicklungen beim Zusammentreffen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung. In dem Bestreben, Realität einzufangen, bevorzugte er rabbinische und mittelalterliche Formen des gesprochenen Hebräisch, kreierte neue Redewendungen und verwendete eine dramatische Syntax, um den Eindruck von lebendiger Alltagssprache zu vermitteln. Im Mittelpunkt von Brenners Werk steht seine Identifikation mit dem physischen Ringen der zionistischen Pioniere um einen festen Halt in einem dürren, rauen Land, das sich so sehr von ihren europäischen Geburtsländern unterschied, und das nicht minder mühsame Ringen, um einer jüdischen Identität in Israel Gestalt zu verleihen.
Agnon wählte in seinen Werken modernere Formen der hebräischen Sprache. Seine Vertrautheit mit der jüdischen Tradition, verbunden mit dem Einfluss des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, ließ eine Literatur entstehen, welche die großen zeitgenössischen Probleme des Geisteslebens, den Zerfall der traditionellen Lebensstile, den Glaubensverlust und den daraus resultierenden Identitätsverlust thematisiert. In den Werken des orthodoxen Juden und Meisters der Intuition und der psychologischen Einfühlung manifestiert sich eine Verbindung zu den dunklen und irrationalen Seiten der menschlichen Psyche und die Identifikation mit den inneren Unsicherheiten des gläubigen und des nichtgläubigen Juden. Die Realität - wie Agnon sie darstellt - schafft eine tragische, bisweilen auch groteske Atmosphäre. Viele seiner Werke sind vom Krieg und den Schreckensbildern des Holocausts überschattet; die Welt des frommen Juden wird mit all ihren Leidenschaften und Spannungen offenbart. 1966 erhielt Agnon (zusammen mit Nelly Sachs) als erster hebräischer Autor den Nobelpreis für Literatur.
Einheimische Autoren, die in den 40er- und 50er Jahren zu schreiben begannen - die sogenannte Generation des Unabhängigkeitskrieges -, brachten eine andere Mentalität und einen anderen kulturellen Hintergrund in ihre Werke mit ein als ihre Vorgänger. Sie waren bereits in Israel geboren, ihre Muttersprache war Hebräisch, und ihre Lebenserfahrung war dementsprechend tief in ihrem Heimatland Israel verwurzelt. Autoren wie S. Yizhar, Moshe Shamir, Hanoch Bartov, Chajim Gouri und Benjamin Tammuz waren hin- und hergerissen zwischen Individualismus und Engagement zum Wohle der Gesellschaft und des Staates. Sie präsentierten ein Modell des sozialen Realismus - oft mit heldenhaften Darstellungen und Motiven -, das sich als eine Mischung aus einheimischen und internationalen Einflüssen herausstellte.
In den frühen 60er Jahren ging eine Gruppe von jüngeren und sehr einflussreichen Autoren wie A.B. Yehoshua, Amos Oz, Yoram Kaniuk und Yaakov Shabtai neue Wege und schuf eine hebräische Prosa, die durch die Abkehr von ideologischen Themen einen Wendepunkt markierte und durch die Konzentration auf die Welt des Individuums gekennzeichnet war. Während der nächsten beiden Jahrzehnte experimentierten die zeitgenössischen israelischen Autoren mit Erzählformen und verschiedenen Prosastilen wie psychologischem Realismus, Allegorie und Symbolismus und brachten ihre Kritik und Skepsis hinsichtlich Israels politischer und sozialer Konventionen in ihren Werken deutlich zum Ausdruck.
Die 80er- und 90er Jahre wurden Zeugen eines explosionsartigen Ausbruchs von intensiver literarischer Aktivität. Die Zahl der publizierten Bücher wuchs drastisch an. Gleichzeitig erlangten viele israelische Schriftsteller internationale Bekanntheit und Anerkennung, vor allem: Oz, Yehoshua, Kaniuk, Aharon Appelfeld, David Shahar, David Grossman und Meir Shale. Der Glaube an die Literatur als ein Mittel, das den Leser zum Verständnis seiner selbst als Individuum und als Teil seiner Umgebung führt, ist charakteristisch für diese Periode, die drei Generationen von zeitgenössischen Autoren umfasst.
Neue Verarbeitungsversuche der Tragödie des europäischen Holocausts unter dem Nationalsozialismus ließen neue Ausdrucksformen zur Behandlung fundamentaler Fragen entstehen, die nur in der Perspektive von Zeit und Ort erörtert werden können, wobei Distanz und Betroffensein miteinander verschmelzen (Appelfeld, Grossman, Yehoshua Kenaz, Alexander und Yonat Sened, Nava Semel und andere).
Bisher unberücksichtigte Themen wurden angegangen: das Milieu des arabischen Dorfes (Anton Shammas, ein arabisch-christlicher Autor); die Welt der ultraorthodoxen Juden, die sich bewusst von der modernen Gesellschaft abkapseln (Yossl Birstein); die Lebensart in den chassidischen Höfen Jerusalems (Chajim Be'er) und die Problematik der Existenz von Nichtgläubigen in einer Zeit, in der die säkularen Ideologien zusammenbrechen und der religiöse Fundamentalismus immer mehr an Macht und Einfluss gewinnt (Yitzhak Auerbach-Orpaz). Ein anderes entscheidendes Thema, welches einige israelische Autoren sephardischer Prägung aufgreifen, ist das Problem der Integration fremder Immigranten aus arabischen Ländern bzw. ihr Platz in der israelischen Gesellschaft (Sami Michael, Albert Suissa, Dan Benaya-Seri). Andere Autoren befassen sich mit allgemeinen Themen wie Demokratie und Gerechtigkeit im Kontext einer Gesellschaft, die in den meisten Bereichen ihres nationalen Lebens ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt ist (Yitzhak Ben Ner, Kaniuk, Grossman, Oz).
In den letzten Jahren erlangten eine Reihe von bedeutenden Autorinnen große Bekanntheit, darunter Amalia Kahana-Carmon, Chana Bat Shachar, Shulamit Hareven, Shulamit Lapid, Ruth Almog, Savion Leibrecht, Batya Gur u.a. Sie schreiben nicht nur über allgemeine Themen, sondern ihnen liegt vor allem die Welt der Frauen am Herzen. Sie schildern die Welt der israelischen Frauen, die sich ihres Platzes in der jüdischen Tradition und ihrer Rolle in der zionistischen Bewegung bewusst sind. Lapid und Gur ließen sich auch auf die Literaturgattung Kriminalroman ein und ernteten viel Beifall in Israel und über die Landesgrenzen hinaus.
In jüngster Zeit hat sich eine Generation von Autoren herausgebildet, die weniger die israelische Erfahrung in das Zentrum ihrer Werke stellen, sondern einen eher universalistischen Trend widerspiegeln, der oft von fremder, surrealer und individueller Natur ist. Einige dieser Autoren erfreuen sich einer Leserschaft, die einer Kultanhängerschaft gleichkommt. Ihren neuen Büchern ist ein Platz an der Spitze der Bestsellerliste sicher (Yehudit Katzir, Etgar Keret, Orly Castel Blum, Gadi Taub, Irit Linor, Mira Magen).
Hebräische Literatur existiert nicht nur in einer reichen Vielfalt, sondern erscheint auch in anderen Sprachen wie z.B. Arabisch, Englisch und Französisch. Seit der jüngsten Einwanderungswelle von über 700000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion hat Israel sich zum größten Zentrum literarischer Aktivität in der russischen Sprache außerhalb von Russland selbst entwickelt. In den letzten Jahren haben die israelischen Verlage den Weg der elektronischen Publikation (Multimedia, CD-ROM) geebnet und in rasantem Tempo erobert. Israelische Programme, die ein breites Spektrum an Themen abdecken, werden weltweit vertrieben.
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Hebräische Dichtung
Hebräische Dichtung wurde ohne Unterbrechung von der biblischen Zeit bis zur Gegenwart verfasst. Sie verwebt in kunstvoller Weise äußere Einflüsse und innere Traditionen. Die Dichtung der Vergangenheit, die vorrangig religiöse und nationale Themen aufgreift, enthält bereits Motive der persönlichen Erfahrung, die in der Dichtung der Gegenwart vorherrschen. Ein Bruch mit den traditionellen poetischen Ausdrucksformen entwickelte sich während der jüdischen Aufklärung in Europa (1781-1881), als die volle Einbürgerung der Juden und die Säkularisierung des jüdischen Lebens gefordert wurden. Im späten 19. Jahrhundert wurde der Ruf der zionistischen Bewegung nach Wiederherstellung des nationalen jüdischen Lebens in Israel laut. Chajim Nachman Bialik (1873-1934) und Schaul Tschernichovsky (1875-1943) gehörten zu den bedeutendsten Dichtern, die aus dieser Periode des Umbruchs hervorgingen und Anfang des 20. Jahrhunderts selbst nach Palästina einwanderten.
Bialiks Werke, die sein Engagement für die nationale jüdische Renaissance widerspiegeln und die Lebensfähigkeit jüdischen Lebens bzw. die Möglichkeit einer jüdischen Identitätsfindung in Osteuropa verwerfen, umfassen sowohl lange epische Gedichte über Kapitel der jüdischen Geschichte als auch reine lyrische Dichtung über Liebe und Natur. Bialik, der oft als der Volksdichter oder der Dichter der hebräischen Wiedergeburt bezeichnet wurde, schuf eine neue Dichtersprache, die frei war von dem übermächtigen biblischen Einfluss wie es noch bei seinen Vorgängern der Fall war. Dennoch behielt er die klassische Struktur und Klarheit des Ausdrucks in seiner ausgereiften und gelehrten, aber der zeitgenössischen Alltagssprache angepassten Diktion bei. Seine Gedichte werden bereits über Generationen hinweg von israelischen Schulkindern auswendig gelernt.
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Der Zweig Ein Zweig landete auf einem Zaun und nickte ein; So schlafe auch ich. Die Frucht fiel - und was habe ich zu tun mit meinem Stamm.. Was mit meinem Ast?
Die Frucht ist gefallen, die Blüte schon vergessen, Nur noch die Blätter leben. Eines Tages wird der Sturm toben, und sie werden fallen Auf die Erde, tot.
Und danach gehen sie weiter, die Schreckensnächte, Keine Ruhe noch Schlaf für mich. Allein werfe ich mich im Dunkeln umher, knalle Meinen Kopf gegen meine Wand.
Und wieder blüht der Frühling, Und allein hänge ich von meinem Stamm - Ein nackter Schößling, ohne Knospe oder Blüte, Ohne Frucht oder Blatt.
Haim Nahman Bialik
Tschernichovsky schrieb neben Lyrik auch dramatische Epen, Balladen und Allegorien. Er versuchte in seinen Werken, die Welt des Judentums zu heilen und zu verschönern, indem er ihr persönliche Selbstachtung und Würde zusprach und ihr Bewusstsein für die Schönheiten der Natur sensibilisierte. Seine Sprache mit ihrer Affinität zum rabbinischen Hebräisch ist anders als Bialiks Idiom, der die biblische Prägung mit der aufkeimenden neuen Alltagssprache verbindet. Sowohl Bialik als auch Tschernichovsky stehen jeder auf seine Art für den Übergang von der alten jüdischen Dichtung zum modernen Genre.
Abraham Shlonsky, Natan Alterman, Lea Goldberg und Uri Zvi Greenberg waren die Wegbereiter der nächsten Dichtergeneration, die in den letzten Jahren vor der Staatsgründung und in den ersten Jahren danach schrieben.
Shlonsky verwendete in seiner Dichtung eine Flut von Bildern und linguistischen Neuschöpfungen. Diesem Stil blieb er auch in seinen produktiven Übersetzungen von klassischer Dichtung - vor allem aus dem Russischen - treu. Altermans Werke, von denen viele wegen ihrer politischen Kommentare bekannt sind, begleiten alle Stadien der Entwicklung der jüdischen Gesellschaft und zeichnen sich durch Sprachreichtum und eine Fülle von dichterischen Formen, Klängen und Rhythmen, Bildern und Metaphern aus. Goldberg erweiterte das lyrische Spektrum in Gedichten, die die Stadt und die Natur sowie den Menschen auf der Suche nach Liebe, Gemeinschaft und Zuwendung schildern. Greenberg, der eine Poesie der Verzweiflung und des Zorns mit einer wilden Bildersprache und stilistischer Kraft schrieb, behandelte in seinen Werken in erster Linie nationale Themen und die Auswirkungen des Holocausts.
Diese Gruppe von Dichtern führte als erste den Rhythmus der gesprochenen Sprache in die hebräische Dichtung ein. Sie stellten alte Redewendungen wieder her und prägten neue, um auf diese Weise der alten Sprache neue Flexibilität und neuen Reichtum zu verleihen.
Die Dichtung dieser Periode war stark vom russischen Futurismus und Symbolismus sowie vom deutschen Expressionismus beeinflusst und tendierte zur klassischen Struktur und Melodie der Reimlyrik.
Sie reflektierte Bilder und Landschaften der Geburtsländer der Dichter und neue Visionen ihres neuen Landes in einer heroischen Tonart. Ihre Gedichte schildern Erinnerungen von damals und die Sehnsucht nach neuen Wurzeln hier als Ausdruck des Schmerzes der zwei Heimatländer, wie Lea Goldberg einmal schrieb. Viele dieser Gedichte wurden als Lieder vertont und bilden so einen festen Bestandteil der nationalen Folklore.
Die erste bedeutende Dichterin der hebräischen Sprache war Rachel Bluwstein (1890-1931), die unter ihrem Vornamen Rachel bekannt wurde. Ihre Werke legten den Grundstein und Maßstab für die hebräische Frauendichtung sowie für die Erwartungen, welche die Leserschaft an eine solche Dichtung stellt. Rachels lyrischer, knapper, gefühlvoller, intellektuell unprätentiöser und persönlicher Stil beeinflusste nicht nur die Dichterinnen ihrer Zeit nachhaltig, sondern auch Poetinnen nachfolgender Epochen wie z.B. Dalia Ravikovitch und Maya Bejerano.
Morgendämmerung Ein Krug mit Wasser in meiner Hand, und auf Meiner Schulter - Korb, Spaten und Rechen. Zu fernen Feldern - zur Arbeit führt mein Weg.
Zu meiner Rechten werfen die großen Berge Schützende Arme; vor mir - die weiten Felder! Und in meinem Herzen zwanzigfach Aprilgesang...
Dies sei mein Los, bis ich nicht mehr bin: Staub der Straße, mein Land, und dein Korn, goldwogend in der Sonne!
Rachel
Mitte der 50er Jahre kam mit einer neuen Gruppe jüngerer Dichter, deren Muttersprache Hebräisch war, eine neue Strömung auf, an deren Spitze die Dichter Jehuda Amichai, Natan Zach, Dan Pagis, T. Carmi und David Avidan standen. Diese Dichter tendierten zu einer Sprache des Understatement, der allgemeinen Abkehr von kollektiven Erfahrungen, freier Beobachtung der Realität und einem umgangssprachlichen Stil. Für diese Dichtergeneration waren nicht mehr die poetischen Einflüsse von Puschkin und Schiller maßgebend, sondern die englische und amerikanische Dichtung wurde zum Vorbild erhoben. Die Werke von Amichai, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, sind durch den Gebrauch von Alltagssprache, Ironie und metaphysischen Metaphern gekennzeichnet. Diese Stilmittel wurden zum Markenzeichen eines Großteils der Dichtung seiner jüngeren Zeitgenossen, die das Ende der ideologischen Dichtung proklamierten und völlig mit der Alterman-Shlonskyschen Tradition der klassischen Strukturen und geordneten Reime brachen. Zachs Werke entlocken dem gesprochenen Alltagshebräisch innovative, liturgieähnliche und musikalische Qualitäten.
 | Bei meiner Rückkehr
Ich werde bei meiner Rückkehr nicht von Kinderstimmen empfangen werden, vom Bellen eines treuen Hundes und von bläulichem Rauch wie in den Märchen. Mir wird nicht geschehen Er hob seine Augen und sah, wie es in der Bibel geschah und siehe.
Ich habe die Grenze des Waisentums überschritten, und schon lange nennt man mich nicht mehr entlassener Soldat. Ich bin wehrlos.
Doch habe ich das trockene Weinen erfunden. Und wer das trockene Weinen in der Welt erfunden hat, erfand den Anfang des Weltendes, den Spalt, die Zerstörung und das Ende.
Jehuda Amichai
Das Feld der heutigen hebräischen Dichtung ist eine Polyphonie, die sich aus mehreren Generationen zusammensetzt und Zwanzigjährige neben Dichtern mittleren Alters plaziert. Vertreter der letzteren Gruppe sind Meir Wieselthier, dessen prosaische, slangartige und direkte Diktion sich von jeglichem Romantizismus abwendet und das Bild von Tel Aviv zum Symbol der Realität erhebt; Jair Horowitz, dessen verhaltene Verse die sanfte Traurigkeit eines Menschen zum Ausdruck bringen, der sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst ist; und schließlich Jona Wallach, die sich selbst in umgangssprachlichen, sarkastischen Tönen präsentiert und archetypische Motive, Freudschen Symbolismus, bisweilen wilde Sinnlichkeit, rhythmische Wiederholungen und lange Assoziationsketten in ihren Werken verwebt.
Andere bedeutende Dichter unserer Zeit sind Asher Reich, Arieh Sivan, Ronny Somak und Moshe Dor.
Lied über die Erde
Wenn du vom Penthouse hinunterschaust, siehst du nicht die Freude der Erde, über der wir getötet wurden.
Dies ist die Erde, über der ich mit erhabener Größe segne, auf deren Schollen ich lebe und mich in der Fülle ihrer Schatten ausstrecke, die Erde brummt voller Geschäftigkeit, während ich wie eine lebendige Mauer auf ihr wandere, sie bedecke und mein Leben Atemzug um Atemzug über ihr anbinde. Das ist die Erde, über die ich mein Blut vergieße und bis ans Ende meiner Tage in Ruhe wandere und die ich mit der Pracht meiner Frucht hinter mir salbe. Erde, auf die ich trete und schmerzliche Wunden hinterlasse, die ich Narbe um Narbe zum Schweigen bringe. Dies ist das Land, auf dem ich Übriggebliebener und Flüchtling lebe wie ein verwüstetes Ödland, das sein Leben aushaucht und zu Ende geht, und der Himmel ist der Himmel des Herrn.
Asher Reich
Die Dichtung der allerjüngsten Generation wird von Individualismus und Verblüffung dominiert und tendiert zu kurzen Gedichten in umgangssprachlicher Diktion, ohne Reime und mit freiem Rhythmus. Die israelische Dichtung hat einen großen und treuen Leserkreis. Gedichtbände aus allen Epochen werden in Auflagen verkauft, die so hoch sind wie die in wesentlich bevölkerungsstärkeren westlichen Ländern.
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Das Institut für die Übersetzung hebräischer Literatur (Institute for the Translation of Hebrew Literature) wurde 1962 gegründet, um ausländische Leser und Verleger mit den herausragenden Werken der zeitgenössischen hebräischen Literatur vertraut zu machen. Unter der Schirmherrschaft des Instituts sind Hunderte von Werken der Erzählliteratur, der Lyrik und des Dramas sowie Kinderbücher veröffentlicht und in etwa 40 Sprachen übersetzt worden - ins Deutsche und Walisische ebenso wie ins Hindi und Chinesische. Die Projekte des Instituts reichen von der Zusammenstellung von Anthologien bis zur Organisierung von Übersetzerkonferenzen und der Teilnahme an internationalen Buchmessen. Die computergestützte Datenbank des Instituts und die Jahresbibliographien der hebräischen Literatur in Übersetzung liefern Wissenschaftlern in der ganzen Welt wichtige Informationen. Das Institut publiziert auch die zweimal im Jahr erscheinende englische Sprachzeitschrift Modern Hebrew Literature. |
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Kinderliteratur
Die israelische Kinderliteratur umfasst sowohl Originaltexte als auch Übersetzungen von Klassikern der Kinderliteratur aus vielen Sprachen und beinhaltet eine bunte Vielfalt von Themen und Prosastilen. Sie liegt ganz im gegenwärtigen Welttrend zu höherem Niveau und Sachlichkeit in Sprache und Inhalt.
Im ersten Jahrzehnt des jungen Staates Israel bewegten sich die hebräischen Kinderbücher ganz im typischen Wertesystem der Aufbaujahre. Die Themen Pionierarbeit, Kampf und Erreichen der Ziele standen im Vordergrund, wobei die Verpflichtung des Einzelnen, am Aufbau des Landes mitzuwirken, besonders hervorgehoben wurde. Die Kinderbücher der Aufbaujahre waren voll von Parolen und bewunderungswürdigen Heldenfiguren. Die nationale Vision spielte eine zentrale Rolle. Das Wort wir erschien häufiger als das Wort ich.
Die Rolle der Kinderliteratur als Vermittlerin der sozialen und ethischen Werte der Erwachsenen wurde seit den späten 60er Jahren allmählich abgelöst durch eine Hinwendung zur Welt und den Problemen des Kindes selbst. Themen wie Tod, Scheidung, alleinerziehende Mütter und Väter, Leben mit Behinderungen, Schwierigkeit des Erwachsenwerdens und die konfliktreiche Suche nach einem eigenen Platz in Familie und Gesellschaft traten in Erscheinung.
Daneben entstanden Kinderbücher voller Phantasie und spannender Geschichten, die die Kinder in die Welt der reinen Unterhaltung entführten.
In der heutigen Kinderliteratur sind die Motivation zum unbefangenen Fragen und die Ermutigung zum selbständigen Denken zu Schlüsselelementen geworden. Themen von sozialer und nationaler Bedeutung nehmen in den israelischen Kinderbüchern zwar immer noch einen hohen Stellenwert ein, aber sie werden heutzutage mit größerer Ehrlichkeit und Offenheit behandelt. Einige aktuelle Kinderbücher versuchen, auf stereotype Darstellungen der multikulturellen Gesellschaft zu verzichten und thematisieren die Einwanderung von Juden aus vielen Teilen der Welt, während historische Werke und Biographien in erster Linie berühmte Gestalten darstellen, die im Laufe des letzten Jahrhunderts an der Erneuerung des jüdischen Lebens im Land Israel und der Entwicklung des Landes mitwirkten.
Im Laufe der Jahre ist eine beträchtliche Menge an Kinderliteratur für verschiedene Altersgruppen publiziert worden. Charakteristisch für die israelische Kinderliteratur ist eine gute graphische Gestaltung, eine psychologisch einfühlsame Darstellung sowie ein ausdrucksvoller und bilderstarker Sprachstil, der dem jungen Leser ermöglicht, sich in den Inhalt der Geschichten hineinzudenken. Viele israelische Kinderbücher sind mittlerweile auch weltweit in der jeweiligen Landessprache erschienen. |
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