Inflation
Die israelische Wirtschaft hatte seit jeher mit steigenden Preisen zu kämpfen. Dank eines Koppelungsmechanismus, der alle finanziellen Verbindlichkeiten - Gehälter, Renten, Sparkonten, Lebensversicherungspolicen, Steuerklassen u.ä. - an einen festeren Wert (eine ausländische Währung oder den Verbraucherpreisindex) koppelte, waren die Bürger vor den Konsequenzen einer Inflation weitgehend geschützt. Ob die Inflationsrate einstellig (Mitte der 50er bis Ende der 60er Jahre), zweistellig (70er Jahre) oder dreistellig (Anfang der 80er Jahre) war, die Israelis konnten ihren Lebensstandard erhöhen. Andererseits wurde die Inflation durch diese Koppelung zusätzlich angeheizt. Die Investitionen waren rückläufig.
Nach Inflationsraten von 191% im Jahr 1983 und 445% 1984 drohte die Inflation 1985 in den vierstelligen Bereich zu schießen. Im Sommer 1985 begann die Regierung daher mit einem radikalen Stabilisierungsprogramm, das die Inflationsrate noch 1985 auf 185% drückte; von 1986 bis 1991 bewegte sie sich zwischen 16 und 20% und sank 1997 weiter auf 7%.
Die öffentliche Hand
Die Hauptursache der hohen Inflationsrate ist der hohe öffentliche Verbrauch, in erster Linie durch das Defizit des Staatshaushalts. Die der Regierung zur Verfügung stehenden Mittel zur Finanzierung des Staatshaushaltes (in- und ausländische Quellen, öffentliche Anleihen, direkte und indirekte Steuern) reichen nicht aus, um die Ausgaben zu decken. Die Regierung hat sich wiederholt zu inflationärer Kapitalbeschaffung gezwungen gesehen.
Der Weg zur wirtschaftlichen Erholung durch Inflationssenkung, Reduzierung des Zahlungsbilanzdefizits und Erhalt eines starken Wirtschaftswachstums erfordert eine Senkung der öffentlichen Ausgaben (1997 betrugen sie 54,7 Mrd. Dollar). Der hohe Anteil der öffentlichen Ausgaben am Bruttosozialprodukt, der zwischen 1981 und 1997 von 79 auf 55,5% heruntergedrückt wurde, beruht nicht nur auf der enormen Last an Verteidigungsausgaben und der Rückzahlung von Inlands- und Auslandsschulden (beide Kategorien zusammen machten in den letzten Jahren zwischen zwei Dritteln und der Hälfte des Staatshaushalts aus), sondern auch auf der immer noch sehr großen aktiven Beteiligung der Regierung an Wirtschaftsprojekten. Als Ziel hat sich die israelische Wirtschaftspolitik inzwischen eine spürbare Reduzierung dieser Beteiligung gesetzt. Diese soll durch den Abbau fast aller Subventionen für Grundbedarfsgüter, Förderung von Investitionen und Export und teilweise oder völlige Privatisierung von Hunderten staatlicher Unternehmen erzielt werden. Um die Zahl dieser Unternehmen weiter zu verringern und eine zusätzliche Einnahmequelle zu schaffen, hat die Regierung vor kurzem mit einer Privatisierungskampagne begonnen.