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GESELLSCHAFT: Judische Gesellschaft

 

Tel Aviv:  Happening am Strand (Photo: Fremdenverkehrsministerium)
  
Tel Aviv:  Happening am Strand (Photo: Fremdenverkehrsministerium)
  

Der lange Weg nach Hause

The ingathering of the exiles

Nach ihrer Vertreibung aus dem Land Israel vor ungefähr 2000 Jahren wurden die Juden in andere Länder zerstreut, vor allem nach Europa, Nordafrika und den Nahen Osten. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden viele große jüdische Gemeinden in nah und fern, wo sie lange Zeiten des Wachstums und Wohlstands erlebten, zuweilen aber auch unter grausamer Diskriminierung, rücksichtslosen Verfolgungen und vollständiger oder teilweiser Vertreibung leiden mussten. Jede Welle der Verfolgung und Gewalt stärkte ihren Glauben an den Gedanken der Sammlung der Zerstreuten und ermutigte Einzelpersonen oder Gruppen, in das Heimatland ihrer Ahnen zurückzukehren.

Die zionistische Bewegung, die Ende des 19. Jh. ins Leben gerufen wurde, machte aus diesem Gedanken eine Lebensweise, die der Staat Israel in folgendes Gesetz umsetzte: Jedem Juden, der sich in Israel niederlassen will, wird bei seiner Ankunft automatisch die israelische Staatsbürgerschaft veliehen.

Tel Aviv:  Happening am Strand (Photo: Fremdenverkehrsministerium)
Tel Aviv:  Happening am Strand (Photo: Fremdenverkehrsministerium)

Bildung einer neuen Gesellschaft

Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Basis der heutigen jüdischen Gesellschaft in Israel bildete sich zur Zeit des Britischen Mandats (1918-1948). Vom Zionismus ideologisch motiviert, entwickelte die jüdische Gemeinde im Land Israel soziale und politische Einrichtungen, die Autorität ohne Souveränität ausübten und auf jeder Ebene auf Konsolidierung und Wachstum hinarbeiteten. Freiwilligkeit war ihr politisches Rückgrat, die Lehre von der Gleichheit aller das soziale Bindemittel.

Die Erringung der politischen Unabhängigkeit und die nachfolgende Masseneinwanderung, die die Bevölkerungszahl in den ersten vier Jahren der Eigenstaatlichkeit (1948-1952) verdoppelte und von 650000 auf etwa 1,3 Millionen hochschnellen ließ, veränderten die Struktur der israelischen Gesellschaft. Es bildete sich eine soziale Gruppierung aus zwei Hauptelementen: eine Mehrheit aus alteingesessenen Siedlern und Überlebenden des Holocausts, überwiegend aus dem Nachkriegseuropa, und eine recht große Minderheit frisch eingewanderter Juden aus den islamischen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens. Während für den Großteil der Einwohner, die vor der Staatsgründung in Israel lebten, unerschütterliche ideologische Überzeugungen, Pioniergeist und eine demokratische Lebensweise selbstverständlich waren, hielten viele der Juden, die jahrhundertelang in arabischen Ländern gewohnt hatten, an patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen fest. Demokratische Prozesse und die Anforderungen einer modernen Gesellschaft waren ihnen völlig fremd. Es fiel ihnen schwer, sich an Israels schnell wachsende Wirtschaft anzupassen.

Ende der 50er Jahre lebten die beiden Gruppen praktisch isoliert, ohne soziale oder kulturelle Interaktion, nebeneinander her. Die Juden aus Nordafrika und dem Nahen Osten machten ihrer Frustration und Entfremdung durch regierungsfeindliche Proteste Luft, die in den 60er und 70er Jahren zu Forderungen nach politischer Mitbestimmung, Ausgleichszahlungen und verstärkter Unterstützung zum Abbau der Unterschiede zwischen ihnen und der Mehrheit der Israelis wurden. Zusätzlich zu den durch die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen hervorgerufenen Spannungen musste sich Israel in jenen Jahren mit dem Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und mit militärischen und terroristischen Aktionen arabischer Nachbarstaaten auseinandersetzen. Doch die gemeinsamen Nenner der Religion, der Geschichte und des nationalen Zusammenhalts innerhalb der jüdischen Gesellschaft erwiesen sich diesem Druck als gewachsen.

Anfang der 80er Jahre waren die Protestbewegungen, die einst Schlagzeilen gemacht hatten, kein Thema mehr und die bisherigen Randgruppen überall im Aufsteigen begriffen. Ein hoher Prozentsatz aller Ehen werden jetzt zwischen den ethnischen Gruppen geschlossen. Nach einem halben Jahrhundert der Unabhängigkeit ist die Wirtschaft Israels stark und die Gesellschaft stabil, Zeugnis einer auf Verständnis zwischen den unterschiedlichen Gruppen gegründeten politischen Kultur, die ihren grundlegenden Werten treu geblieben ist: dem Aufbau eines jüdischen Staates in seiner alten Heimat, einer demokratischen Regierungsform, fortdauernder Einwanderung und des Strebens nach Frieden mit den Nachbarländern. Dessen ungeachtet gehört ethnische Vielfalt zur israelischen Gesellschaft und betrifft alle Bereiche des kulturellen, religiösen und politischen Lebens. Einst als Bedrohung für den Zusammenhalt empfunden, gelten die sozialen Spannungen heute als Beitrag zu einer pluralistischen Gesellschaft.

Äthiopische Einwanderer landen in der "Operation Solomon" aus Addis Ababa (Photo: GPO / Ts. Israeli)
Äthiopische Einwanderer landen in der "Operation Solomon" aus Addis Ababa (Photo: GPO / Ts. Israeli)

Die Heimkehr geht weiter

In all den Jahren hat Israel weiterhin Neueinwanderer in größerer und kleinerer Zahl aus den freien Ländern des Westens und aus Notgebieten aufgenommen. Die letzte Masseneinwanderung betraf Mitglieder der großen jüdischen Gemeinde der ehemaligen Sowjetunion, die jahrelang um das Recht der Auswanderung nach Israel gekämpft hatten. Etwa 100000 russische Juden kamen in den 70er Jahren ins Land; seit 1989 wanderten über 800000 ein. Darunter sind viele gut ausgebildete Akademiker, bekannte Wissenschaftler und gefeierte Künstler und Musiker, deren Erfahrung und Können beträchtlich zum wirtschaftlichen, kulturellen, natur- und geisteswissenschaftlichen Leben Israels beitragen.

In den 80er und 90er Jahren kamen in zwei groß angelegten Luftbrückenaktionen Mitglieder der alten jüdischen Gemeinde Äthiopiens, die seit den Tagen König Salomos dort bestanden haben soll, nach Israel. Die Eingewöhnung dieser 30000 in einer afrikanischen Agrargesellschaft aufgewachsenen Menschen an die Verhältnisse einer westlichen Industriegesellschaft wird ihre Zeit brauchen, aber die große Bereitwilligkeit der Jugendlichen zur Anpassung wird letztlich auch die rasche Integration dieser so lange isolierten jüdischen Gemeinschaft sicherstellen.

Jerusalem: Hassidische Juden in einem ultraorthodoxen Stadtteil (Photo: Fremdenverkehrsministerium)
Jerusalem: Hassidische Juden in einem ultraorthodoxen Stadtteil (Photo: Fremdenverkehrsministerium)
Photo I. Sztulman, mit Genehmigung dese U. Nahon Museums für Jüdische Kunst
Photo I. Sztulman, mit Genehmigung dese U. Nahon Museums für Jüdische Kunst

Religiöse Vielfalt

Seit biblischen Zeiten sind die Juden ein Volk mit monotheistischem Glauben, dem Judaismus, der sowohl eine religiöse als auch eine nationale Bedeutung beinhaltet. Im 18. Jh., als die Mehrheit der Juden in Europa lebte, war ihr Leben auf die Ghettos beschränkt und der Kontakt zur Außenwelt gering. In den Ghettos verwalteten sie ihre inneren Angelegenheiten selbst und hielten sich an das jüdische Gesetz, die Halacha, wie sie im Laufe von Jahrhunderten durch die Schriftgelehrten geschaffen und kodifiziert worden war.
Der Geist der Emanzipation und des Nationalismus, der im 19. Jh. in Europa aufkam, machte auch vor den Toren der Ghettos nicht Halt, sondern führte zu einer liberaleren Haltung in Erziehung, Kultur, Philosophie und Theologie. Es entstanden verschiedene jüdische Bewegungen, die entweder von liberal-religiösen Richtungen oder von nationalen und politischen Ideen geprägt waren. Viele Juden, ja letztendlich die Mehrheit, brachen mit der Orthodoxie und der damit verbundenen Lebensweise; manche bemühten sich um eine völlige Integration in die Gesellschaft.

Die heutige jüdische Gesellschaft in Israel setzt sich aus praktizierenden und nichtpraktizierenden Juden zusammen und umfasst ein breites Spektrum von Ultraorthodoxen bis hin zu Menschen, die sich als säkular bezeichnen. Die Unterschiede zwischen ihnen sind jedoch nicht so leicht fest zu machen. Wenn Orthodoxe nach dem Grad der Befolgung der jüdischen Religionsgesetze definiert werden, dann erfüllen 20% der Bevölkerung alle religiösen Vorschriften, 60% halten je nach persönlicher Neigung und ethnischer Tradition die einen oder anderen Gesetze, und die restlichen 20% sind nichtpraktizierend. Da Israel als jüdischer Staat gedacht war, sind der Sabbat (Samstag) und alle jüdischen Fest- und Feiertage nationale Feiertage und werden von der gesamten jüdischen Bevölkerung gefeiert und von allen mehr oder weniger eingehalten.

Andere Kriterien für Orthodoxie sind z.B. der Anteil der Eltern, die sich für eine religiös orientierte Erziehung ihrer Kinder entscheiden oder der Anteil der Wähler, die bei Parlamentswahlen für religiöse Parteien stimmen. Solche Statistiken sind jedoch recht unsicher, gibt es doch in den religiösen Schulen durchaus Kinder nichtpraktizierender Eltern, und umgekehrt wählen viele orthodoxe Juden nichtreligiöse Parteien.

Im Wesentlichen kann man die Mehrheit als säkulare Juden mit moderner Lebensführung bezeichnen, die religiöse Vorschriften mehr oder weniger achten und befolgen. Zu dieser Mehrheit gehören viele, die einen abgewandelten traditionellen Lebensstil führen und solche, die sich an eine der liberalen religiösen Strömungen halten.

Innerhalb der praktizierenden Minderheit gibt es viele, die eine traditionell religiöse Lebensweise befolgen, aber trotzdem am öffentlichen Leben des Landes teilnehmen. Sie betrachten den modernen jüdischen Staat als ersten Schritt zum Kommen des Messias und der Erlösung des jüdischen Volkes im Land Israel.

Im Gegensatz dazu glauben die Haredim (ultraorthodoxe Juden), dass die jüdische Souveränität im Land Israel erst nach dem Kommen des Messias wieder errichtet werden kann. Sie befolgen streng die jüdischen Religionsgesetze, wohnen in ihren eigenen Vierteln, haben ihre eigenen Schulen, tragen traditionelle Kleidung, praktizieren die Rollentrennung zwischen Männern und Frauen und einen streng geregelten Lebensstil. Ihre Gemeinschaft besteht aus zwei Gruppen: einer kleinen, fanatischen Minderheit, die die Existenz des Staates Israel nicht anerkennt und sich völlig von ihm isoliert, und einer pragmatischen Mehrheit, die am politischen Leben des Landes teilnimmt, mit dem Ziel, das religiöse Wesen des Staates zu stärken.

Innerjüdische Dynamik

Da es keine klare Trennung zwischen Religion und Staat gibt, löste die Frage, wie weit Israel seine religiöse Identität öffentlich manifestieren soll, innerhalb der Gemeinschaft Kontroversen aus. Während die orthodoxen Kreise danach streben, die religiöse Gesetzgebung über den Bereich des Personenstandes - für den sie alleine zuständig ist - hinaus aus- zudehnen, betrachtet der nichtpraktizierende Teil der Bevölkerung dies als religiösen Zwang und als Verstoß gegen den demokratischen Charakter des Staates. Ein ständiger Streitpunkt ist die Antwort auf die Frage: Wer ist ein Jude? Während die orthodoxen Juden diese Frage in Übereinstimmung mit dem jüdischen Gesetz entscheiden möchten, das definiert, dass Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde, ziehen die säkularen Juden im Allgemeinen eine Definition nach dem Kriterium der staatsbürgerlichen Identifizierung des Einzelnen mit dem Judentum vor. Diese Interessenkonflikte führten dazu, dass man nach juristischen Wegen suchte, um die Abgrenzung zwischen Religion und Staat zu bestimmen. Bis eine umfassende Lösung gefunden wird, gilt eine ungeschriebene Regelung, die sogenannte Status quo- Regelung, auf die man sich kurz vor der Unabhängigkeit einigte und die besagt, dass in Bezug auf den Status der Religion keine tiefgreifenden Änderungen erfolgen.

Kibbutz: junge Arbeiter in den Dattelplantagen (Photos: Fremdenverkehrsministerium)
Kibbutz: junge Arbeiter in den Dattelplantagen (Photos: Fremdenverkehrsministerium)
Kibbutz: Kuhstall, junge Melker
Kibbutz: Kuhstall, junge Melker

Der Kibbutz

Der Kibbutz, eine einzigartige sozioökonomische, auf den Grundsatz der Gleichheit gegründete Gemeinschaftsform, ist ein Produkt der Pionierzeit des frühen 20. Jh. und hat sich zu einem festen Bestandteil des ländlichen Lebens in Israel entwickelt. Im Lauf der Jahre begründete er wirtschaftlichen Wohlstand, zunächst hauptsächlich in der Landwirtschaft, später auch in Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Er leistete einen unschätzbaren Beitrag zum Aufbau des israelischen Staatswesens.

In der Zeit vor der Unabhängigkeit und in den ersten Jahren nach der Staatsgründung spielte der Kibbutz eine zentrale Rolle bei der Besiedlung, Einwanderung und Verteidigung. Als diese Zuständigkeiten von der Regierung übernommen wurden, nahm die Wechselwirkung zwischen Kibbutz und dem Großteil der israelischen Gesellschaft, die nicht im Kibbutz tätig ist, ab. Er stand nicht länger als Vorreiter beim Aufbau des neuen Staates und der neuen Gesellschaft im Mittelpunkt. Seit den 70er Jahren ging sein politischer Einfluss, der in den ersten Jahren der Unabhängigkeit eher überproportional war, zurück. Der Anteil der Kibbutzim am Sozialprodukt ist jedoch nach wie vor erheblich größer als der ihrer Mitglieder an der Gesamtbevölkerung.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte verlagerte die Kibbutz-Bewegung ihre Ener-gien nach innen und betonte persönliche Leistung und Wirtschaftswachstum. In vielen Kibbutzim wird der Grundsatz do-it-ourselves immer weniger streng gehandhabt, und das Tabu bezüglich Lohnarbeit wird gelockert. Heute werden immer mehr bezahlte Arbeiter angestellt, die keine Kibbutzmitglieder sind. Gleichzeitig arbeiten immer mehr Kibbutzmitglieder außerhalb der Gemeinschaft; ihr Gehalt fließt dem Kibbutz zu.

Der heutige Kibbutz ist eine Errungenschaft dreier Generationen. Seine ideologisch hochmotivierten Gründer schufen ihn als eine Gesellschaft mit einzigartigem Lebensstil. Ihre Kinder, die in eine bereits bestehende soziale Struktur hineingeboren wurden, arbeiteten hart, um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Basis des Kibbutz zu stärken. Die jetzige Generation, die in einer etablierten Gesellschaft aufwuchs, steht vor den Herausforderungen der Moderne. Heute werden Debatten geführt über die künftige Wesensart der Kibbutz-Gemeinschaft, über den Umgang der Mitglieder untereinander sowie über die Auswirkungen neuer Technologien und Kommunikationstechniken auf die Gesellschaft. Einige befürchten, dass der Kibbutz sich bei der Anpassung an die veränderten Umstände gefährlich weit von seinen ursprünglichen Idealen entfernt; andere glauben, dass gerade diese Kompromiss- und Anpassungsfähigkeit der Schlüssel zu seinem Überleben ist.





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   Aliyah
   Aliya and absorption
   About the Jewish religion
   Jewish festivals in Israel
   Jewish ceremonial objects
   Jewish sacred texts
   Focus on Israel: Kibbutz
   Kibbutz internet sites
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