Akko - Die maritime Hauptstadt der Kreuzfahrer

 ARCHÄOLOGISCHE STÄTTEN IN ISRAEL
 INHALT | AKKO | BETHSAIDA | TABGHA | ROMISCHE BOOT | KURSI |
 TIBERIAS | BELVOIR | CASAREA | MARTYRIUS | GRABESKIRCHE |
 NEA-KIRCHE | KATHISMA | KIRCHEN IM NEGEV
 
     
Akko - Die maritime Hauptstadt der Kreuzfahrer
 
 
 

Die Hafenstadt Akko liegt auf einer Landzunge am nördlichen Küstenabschnitt der Bucht von Haifa. Die älteste Siedlung wurde hier in der Bronzezeit gegründet. Sie entspricht dem Tel Akko (arabisch Tel el-Fukhar - Scherbenhügel) unmittelbar im Osten der heutigen Stadt. Akko wird in antiken Schriftquellen als bedeutende Stadt an der Nordküste des Landes Israel erwähnt. Die Fülle der Funde, die bei Ausgrabungen des Tel Akko gemacht wurden, darunter Überreste von Befestigungsanlagen, belegt die lange, kontinuierliche Besiedlung der Stätte in biblischer Zeit.

Die antike Stätte von Akko wurde in hellenistischer Zeit aufgegeben. Eine neue, von Befestigungsmauern umgebene Stadt names Ptolemais wurde am Ort des heutigen Akko errichtet. Die Römer bauten den natürlichen Hafen im Südteil der Stadt aus und legten eine Buhne an, durch die Akko zu einem der wichtigsten Häfen des östlichen Mittelmeerraumes wurde.

Die Bedeutung Akkos - einer sicheren, befestigten Stadt mit Tiefwasserhafen - spiegelt sich auch in seiner ereignisreichen Geschichte während der Kreuzfahrerzeit im Heiligen Land wider.

 
 
In Akko gefundenes Steinrelief mit dem königlichen Emblem der Kreuzfahrer
 

Die Kreuzfahrer, die 1099 das lateinische Königreich von Jerusalem gründeten, konnten zunächst die Befestigungsanlagen von Akko nicht überwinden. Erst nach monatelanger, schwerer Belagerung und mit Unterstützung der genuesischen Flotte konnte die Stadt am 26. Mai 1104 bezwungen und König Balduin I. übergeben werden. Da sich die Kreuzfahrer der Bedeutung der Stadt und ihres Hafens bewußt waren, begannen sie sogleich mit dem Bau eines bisher für die Stadt beispiellosen ausgeklügelten Systems von Befestigungsanlagen aus Mauern und Türmen. Diese Befestigungen zogen sich im Westen und Süden der Stadt direkt am Meer entlang, während im Osten und Norden eine mächtige Mauer (wahrscheinlich ein doppelter Wall) mit einem breiten, tiefen Graben die Stadt vom Umland trennte. Der Hafen wurde erneut ausgebaut und umfaßte, schriftlichen Quellen und Karten zufolge, einen inneren und äußeren Hafen, der an seinem entlegenen Ende durch einen Turm geschützt wurde, der heute als Fliegenturm bekannt ist.

Die Befestigungen von Akko, in die die Kreuzfahrer ihr Vertrauen gesetzt hatten, fielen relativ leicht unter dem Ansturm der Muslime. Kurz nach dem Sieg des muslimischen Heeres in der Schlacht an den Hörner von Hattin am 9. Juli 1187 kapitulierte die Stadt vor Salah al-Din (Saladin). Die christlichen Einwohner wurden ausgesiedelt.

Doch die Kreuzfahrer kehrten zurück und belagerten Akko im Jahre 1188 erneut, konnten aber die von ihnen selbst errichteten Befestigungsanlagen nicht erstürmen. Die Muslime kapitulierten erst am 12. Juli 1191 vor dem englischen König Richard Löwenherz und dem französischen König Philip Augustus (Anführer des 3. Kreuzzuges). In den folgenden 100 Jahren regierten die Kreuzfahrer ihr Königreich von Akko aus. Jerusalem verblieb (abgesehen von einer kurzen Zeitspanne) unter muslimischer Herrschaft, wodurch sich die Bedeutung Akkos erheblich steigerte. Die Stadt war im 13. Jahrhundert die politische und administrative Hauptstadt des lateinischen Reiches. Akko war gewissermaßen der Stützpunkt der Kreuzfahrer im Heiligen Land, eine mächtige maritime Festung gegen die fortwährende muslimische Bedrohung. Sein Hafen ermöglichte den Kreuzfahrern die Verbindung zum christlichen Europa, aber auch den Transport wertvoller Güter, die aus dem Osten stammten und per Schiff nach Westen gebracht werden sollten.

Der Palast (castrum) der Kreuzfahrerkönige lag im Norden des Stadtgebietes, eingeschlossen von massiven Befestigungs- mauern. In der Nähe des Hafens hatten die italienischen Küstenstädte Venedig, Pisa und Genua als communes bekannte Stadtviertel für Händler errichtet. Jedes Viertel besaß einen Marktplatz mit Speicherhäusern und Geschäften sowie Wohnunterkünften für die Kaufmannsfamilien. Darüber hinaus gab es Zentren der verschiedenen Militärorden - der Hospitaliter, der Templer und anderer, die für die Verteidigung des lateinischen Königreiches verantwortlich waren. In der gesamten Stadt wurden zahlreiche öffentliche Gebäude wie Kirchen und Hospize errichtet.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde im Norden der Stadt das neue Wohnviertel Montmusard gegründet. Es war von eigenen Mauern umgeben (möglicherweise wiederum ein Doppelwall). Im Laufe des Jahrhunderts wuchs Akko mit finanzieller Unterstützung des französischen Königs Louis IX. und wurde eine wohlhabende Stadt. Mit einer Bevölkerung von zirka 40.000 Einwohnern war es zudem die größte Stadt des Kreuzfahrerreiches.

Die letzte Schlacht zwischen Kreuzfahrern und Muslimen um die Herrschaft über Akko begann 1290. Nach einer langen Belagerung durch die Mamelucken unter al-Ashraf Khalil wurde ein Teil der Stadtmauer im Norden durchbrochen; die Stadt selbst wurde am 18. Mai 1291 erobert. Das Ende der Kreuzfahrer im Heiligen Land war gekommen.

Gebäude aus der Kreuzfahrerzeit, darunter die Stadtmauern, wurden teilweise oder vollständig unter Gebäuden des 18. und 19. Jahrhunderts begraben, als die Stadt Teil des Osmanischen Reiches war.


Überreste aus der Kreuzfahrerzeit

 
 
Kreuzfahrer- keramik aus Akko

 

 


 

Bedeutende Überreste aus der Kreuzfahrerzeit wurden in Akko zuerst in den 1950er und 1960er Jahren entdeckt, als Teile eines vollständig erhaltenen Gebäudekomplexes unterhalb des Straßenniveaus aus dem Schutt geborgen wurden. In den 1990er Jahren wurden im Rahmen eines Entwicklungsprogramms für Akko Ausgrabungen inner- und außerhalb der heutigen Altstadtmauern durchgeführt. Diese Ausgrabungen brachten faszinierende Einzelheiten der mittelalterlichen Geschichte der Stadt ans Licht, die bisher hauptsächlich aus Pilgerberichten bekannt war.

Die Bauten der Hospitaliter

Die wichtigsten unterirdischen Funde aus dem Akko der Kreuzfahrer liegen im nördlichen Teil der heutigen Altstadt. Es handelt sich um Bauten, die zum Hauptquartier der Hospitaliter (Johanniter-Ritter) gehörten. Der umfangreiche Gebäudekomplex (zirka 4.500 qm) besitzt Säle und etliche Räume, die sich um einen weiten, offenen Innenhof gruppieren. Die dicken Mauern waren aus behauenem Kurkar-Stein, einem lokalen Sandstein, errichtet. Befestigt war der Bau durch Ecktürme. Als der osmanische Herrscher von Akko, Ahmed al-Jazzar, entschied, eine Zitadelle und einen Palast an der Stelle errichten zu lassen, wurde der Hospitaliterbau mit Erde zugeschüttet.

In vergangenen Jahren wurde die 3-4 m dicke Erdschicht über dem zentralen Innenhof des Hospitaliterbaus abgetragen und der 1.200 qm große Hof freigelegt. Weite Öffnungen in den Mauern des Hofes führen in die umliegenden Säle und Räume. Zur Abstützung des oberen Stockwerks waren Spitzbögen auf gewaltigen, aus dem Mauerwerk herausragenden Stützpfeilern errichtet worden. Ein 4,5 m breites, von Bögen getragenes Treppenhaus gewährte Zugang von der Ostseite des Hofes in das obere Stockwerk. Ein umfangreiches Netz von Wasserrinnen führte Regenwasser vom Hof in ein Hauptleitungsrohr. In der südwestlichen Ecke des Hofes versorgte ein aus Stein gehauener Brunnen die Bewohner mit Wasser.

Südlich des Hofes findet sich ein Saal, der irrtümlich als St.-Johannes-Krypta bezeichnet wurde. Dieser rechteckige Raum in gotischem Stil (30 x 15 m) wird in 10 m Höhe durch ein Kreuzgewölbe überspannt, das von drei zentralen Rundpfeilern von jeweils 3 m Durchmesser getragen wird. Schornsteine lassen vermuten, daß der Raum als Küche und Refektorium (Speisesaal) gedient hat. Fleurs-de-lis, das Symbol der königlichen Familie Frankreichs, sind in zwei Ecken des Saals in den Stein gemeißelt.

Südlich des Saals liegt ein als al-Bosta bezeichneter Gebäudekomplex. Er besteht aus einer großen Halle mit mehreren gewaltigen Pfeilern, die ein Kreuzgewölbe tragen. Dieser unterirdische Raum ist die eigentliche St.-Johannes-Krypta, über der die Kirche selbst errichtet wurde. Teile der Kirche und ihrer Ornamente wurden während der Ausgrabung freigelegt.

Nördlich des zentralen Hofes findet sich eine Reihe langer, paralleler, unterirdischer Gewölbe von 10 m Höhe, die als Ritterhallen bezeichnet werden. Auf einer Seite führen Tore zum Innenhof, auf der anderen Fenster und ein Tor zur Hauptstraße der Kreuzfahrerstadt. Es handelt sich um die Kasernenanlage der Hospitaliter.

Im Osten des Hofes wurde eine 45 x 30 m große Säulenhalle freigelegt, die als Hospital diente. Ihre 8 m hohe Decke wird von drei Reihen fünfeckiger Pfeiler getragen. Über dieser Säulenhalle stand wahrscheinlich der vierstöckige Kreuzfahrerpalast, der in zeitgenössischen Abbildungen dargestellt wird.

Die meisten Gebäude auf der Westseite des Hofes sind im Erdreich verborgen. Einige verzierte Säulenkapitelle, illustrativ für die kunstvolle Architektur dieses Flügels, wurden hier gefunden. Im Nordteil wurde ein öffentlicher Abtritt mit 30 Toilettenzellen auf jedem der beiden Stockwerke gefunden. Ein Kanalnetz verband die Anlage mit dem Hauptabwasserkanal der Stadt.

Ein fortschrittliches, unterirdisches Abwassersystem wurde unter dem Hospitaliterbau freigelegt. Dieses Netz führte Regen- und Abwasser in den Hauptabwasserkanal, der in Nord-Süd-Richtung verlief (1 m im Durchmesser, 1,80 m hoch).

Straßen

Teile der Straßen aus der Kreuzfahrerzeit wurden ebenfalls ausgegraben: im genuesischen Viertel, im Zentrum der heutigen Altstadt von Akko, wurde ein 40 m langer Abschnitt einer überdachten Straße freigelegt. Sie verlief von Osten nach Westen und war 5 m breit. Auf beiden Seiten standen Gebäude mit Höfen und zur Straße ausgerichteten Räumen, die als Geschäfte dienten. Im Templerviertel im Südwesten der Stadt wurde ein Abschnitt einer zum Hafen führenden Straße freigelegt. Darüber hinaus wurden zirka 200 Meter einer Straße entdeckt, an der einige Kreuzfahrergebäude unter Bauten aus osmanischer Zeit begraben waren.

Die Stadtmauern der Kreuzfahrer

Die Lage der Stadtmauern der Kreuzfahrer ist aus detaillierten, zeitgenössischen Karten bekannt, die uns erhalten geblieben sind. Doch wurden nur wenige Spuren der Mauern gefunden. Teile liegen unterhalb der osmanischen Befestigungsanlagen; andere wurden beim Bau moderner Stadtviertel zerstört.

An der nordöstlichen Ecke der osmanischen Mauerbefestigung wurde ein 60 m langes Segment der nördlichen Kreuzfahrermauer gefunden; es ist 3 m stark und besteht aus lokalem Kurkar-Sandstein.

Weiter östlich sind Teile der Ecke eines Turms aus großen Kurkar-Steinen bis zu einer Höhe von 6 m erhalten. Vor dem Turm lag ein tiefer, 13 m breiter Graben, auf der Rückseite wurde er von einer mauerartigen Grabenböschung geschützt. Dieser Abschnitt der Mauer gehörte zur äußeren Nordbefestigung, die im 13. Jahrhundert zum Schutz des neuen Viertels Montmusard errichtet worden war. Es handelt sich eventuell um den venezianischen Turm, der auf zeitgenössischen Kreuzfahrerkarten dargestellt wird. Ungefähr 750 m nördlich der Altstadt wurden an der Meeresküste die Überreste der Fundamentgräben eines Rundturmes mit einer sich nach Osten erstreckenden Mauer entdeckt, der heute unter dem Wasserspiegel liegt. Nach Ansicht der Wissenschaftler handelt es sich um den Rundturm am Westende der Mauer, die das Viertel Montmusard umgab.

Die neuen Ausgrabungen in Akko wurden von A. Druks, M. Avissar, M. Stern, M. Hartal und D. Syon im Auftrag der Israelischen Antikenbehörde durchgeführt. Die Ausgrabungen auf dem Grundstück der Hospitaliter wurden von E. Stern im Auftrag der Israelischen Antikenbehörde geleitet.