Byzantinische Kirchen im Negev

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Byzantinische Kirchen im Negev
 
     

Im 1. Jahrhundert v.d.Z. gründeten die Nabatäer (nomadische Kaufleute aus Nordarabien) im Gebiet des heutigen Jordanien ein Königreich mit Petra als Hauptstadt. Die Nabatäer waren außerordentlich wohlhabend dank ihrer Handelsgeschäfte mit teuren Parfümen und Gewürzen aus Ostafrika und Arabien, die sie mit Kamelkarawanen in die an der südlichen Mittelmeerküste gelegene Hafenstadt Gaza brachten. Um ihre Handelsrouten zu sichern, bauten die Nabatäer Wegstationen an den Kreuzungen der großen Karawanenstraßen - in Kurnub (Mampsis), Shivta und Avdat.

In der unwirtlichen Negev-Wüste entwickelten die Nabatäer eine Landwirtschaft auf Terrassenfeldern, die in die Abhänge der Hügel eingebettet waren. Die nabatäische Landwirtschaft beruhte zudem auf einem ausgeklügelten System, mit dem jeder zur Verfügung stehende Tropfen Wasser gesammelt wurde: um die Flutwasser zu bändigen, wurden Dämme in den Tälern angelegt; um das Regenwasser zu sammeln, wurden Zisternen in den Felsen geschlagen. Die Wegstationen der Nabatäer wuchsen zu Städten heran.

Das nabatäische Königreich wurde von den Römern im Jahre 106 erobert und in das Römische Reich eingegliedert.

 
 
Kurnub
 

Kurnub liegt zirka 40 km östlich von Be'er Sheva über dem Nahal Mamshit. Die Römer befestigten die Stätte als Teil des Limes, der Reihe von Festungen, die die östliche Grenze des Römischen Reiches markierte und sicherte. In der römischen und byzantinischen Periode war Kurnub eine blühende Stadt. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts wurden hier zwei Kirchen errichtet. Die Stadt wurde zur Zeit der arabischen Eroberung (Mitte des 7. Jh.) aufgegeben.

Die östliche Kirche war am höchsten Punkt der Stadt errichtet worden. Sie gehört zu einem 55 x 25 m großen Gebäudekomplex mit Diensträumen und einer kleinen Thermenanlage. Vor der Kirche befand sich ein Atrium (Hof), das von Portiken (überdachte Säulengänge) umgeben war; unter dem Hof wurde eine von Bögen überdeckte Zisterne entdeckt. Der Kirchenraum von 25,5 x 15 m hatte zwei Säulenreihen, eine bema (erhöhte Plattform) und eine Apsis. Er war mit Mosaiken in geometrischen Formen und großen Kreuzen ausgelegt; die Seitenschiffe waren mit Steinplatten gepflastert. Ein kleiner Raum mit einem Taufbecken im Fußboden wurde im Südteil der Kirche gefunden. Teile der Fundamente eines Turmes mit vier Räumen wurden in der Nähe des Kircheneinganges freigelegt. Vermutlich handelte es sich um einen Glockenturm, zumal auch eine große steinerne Sonnenuhr an der Stelle entdeckt wurde.

Die kleinere, aber kunstvoller ausgestattete westliche Kirche im Westteil der Stadt war von ähnlicher Gestalt. Der Mosaikfußboden der Halle war in oktagonale Medaillons gegliedert, in denen Vögel und Fruchtkörbe dargestellt sind. Zwei Mosaiken mit Pfauen befinden sich vor der erhöhten Plattform. Zwei der Widmungsinschriften nennen einen Mann namens Nilus als Erbauer der Kirche sowie die Namen zweier Kirchendiener.

 
 
Shivta
 

Shivta liegt zirka 40 km südwestlich von Be'er Sheva. Einige der heute noch stehenden Gebäude datieren in die Römerzeit. Die meisten wurden allerdings in der byzantinischen Epoche errichtet, als die Einwohner sich intensiv der Landwirtschaft widmeten. Im 4. Jahrhundert wurden in Shivta zwei Kirchen gebaut (im Norden und Süden der Stadt); später im 5. und 6. Jahrhundert wurde im Zuge der Expansion der Stadt eine zentral gelegene Kirche hinzugefügt. Shivta ist während der islamischen Epoche (9.-10. Jh.) zu einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt als Siedlungsort aufgegeben worden.

Die südliche Kirche wurde zwischen Bauten aus römischer Zeit in der Nähe der Wasserzisternen errichtet. Wegen der gedrängten Bebauung der Gegend hatte die Kirche nur eine Apsis mit einem Raum auf jeder Seite. Im 6. Jahrhundert wurden diese Räume zu zwei kleinen Seitenapsiden mit Wandmalereien umgebaut, von denen Fragmente mit den Darstellungen des Mose und Elija sowie der Verklärung Christi überdauert haben. In der späteren Bauphase wurden mehrere Räume im Norden der Basilika angefügt, darunter Kapellen und ein großes Baptisterium mit einem kreuzförmigen steinernen Taufbecken und ein kleineres, in den Felsen gehauenes Becken für Kindertaufen. Eine Inschrift auf einem Türsturz nennt den Beginn des 5. Jahrhunderts als Bauzeit dieser architektonischen Ergänzungen. Eine weitere Inschrift im Fußboden nennt das Jahr 640.

Die nördliche Kirche gehörte zu einer großen Klosteranlage mit mehreren Höfen und zirka 40 Räumen ganz im Norden der Stadt. Der einzige Zugang zur Kirche erfolgte durch ein ungewöhnlich großes Atrium (21 x 15 m), das eine Öffnung zu einer Zisterne hatte, die darunter in den Felsen geschlagen worden war. Zwischen dem Atrium und der Kirche befindet sich ein Narthex (schmale Binnenvorhalle), die zu dem dreifachen Eingang der Basilika führt. Die Basilika von 12 x 10 m wird durch zwei Reihen von sechs Säulen in ein Haupt- und zwei seitenschiffe gegliedert. Wie in der südlichen Kirche so wurde auch hier die ursprüngliche Apsis mit zwei Räumen auf beiden Seiten im 6. Jahrhundert durch eine dreifache Apsis ersetzt. Nischen in der Rückwand der Seitenapsiden enthielten wahrscheinlich Reliquienschreine. Marmorplatten bedeckten den Fußboden und die unteren Abschnitte der Mauern.

Eine Kapelle mit einer Apsis in der Ostwand stand im Süden der Basilika. Ihr Fußboden ist mit Mosaiken in geometrischen Formen ausgelegt und zeigt eine Inschrift, die auf den Bau der Kapelle in der Zeit des Bischofs Thomas im 5. Jahr der Indiktion (517) weist.

Das Baptisterium mit einem großen steinernen Taufbecken liegt südlich der Kapelle. Es wurde auch als Bestattungsort genutzt und enthält mehrere Grabsteine mit den Namen von Mönchen und Priestern aus den Jahren 612 bis 679.

Die zentrale Kirche war im Zentrum eines neuen Wohnviertels (5.-6. Jh.) im nördlichen Teil von Shivta errichtet worden. Sie hatte ein kleines, enges Atrium, durch das eine Basilika von 18 x 14 m betreten wurde. An der Längsseite verliefen zwei Reihen mit vier Säulen, an der Ostseite der Basilika waren drei Apsiden.

 
 
Avdat

 

 

 

Avdat liegt auf einem Bergrücken im Zentrum des Negev-Hochlandes. Mitte des 3. Jahrhunderts erfuhr die Stadt eine erneute Besiedlung und wurde zu einem wichtigen Außenposten des römischen Militärs mit einem Wohnviertel auf dem Bergausläufer südöstlich der Akropolis. Im 6. Jahrhundert hatte Avdat unter byzantinischer Herrschaft eine Bevölkerung von schätzungsweise 3.000 Einwohnern. Neuartige Feldfrüchte wurden in den Tälern der Umgebung der Stadt angebaut. Zahlreiche Weinpressen, die hier ausgegraben werden konnten, weisen auf intensive Winzerei. Eine Zitadelle und ein Kloster mit zwei Kirchen standen auf der Akropolis. Die Stadt wurde vermutlich durch ein Erdbeben zerstört und im Laufe des 7. Jahrhunderts aufgegeben.

Die nördliche Kirche im Stil einer Basilika wurde durch ein Atrium mit einer Zisterne betreten und hatte eine Apsis. Hinter ihr im Westen lag ein Taufbecken in Kreuzform und ein kleineres Becken für Kindertaufen.

Die wichtigere südliche Kirche hatte drei Apsiden in der Ostwand. In den Fußboden waren Reliquienschreine für die sterblichen Überreste lokaler Heiliger eingelassen. In dem Fußboden des Gebetsraumes der Kirche liegen die Gräber geistlicher Würdenträger mit Inschriften auf den Steinplatten über den Grabstätten aus der Zeit von 542 bis 618. Eine der Inschriften nennt den Namen der Kirche: Martyrium des St. Theodorus. Theodorus, der auch von anderen Inschriften bekannt ist, hatte als Abt des Klosters von Avdat gedient und war in dieser Kirche begraben worden.

Alle drei Stätten wurden nach den Ausgrabungen restauriert und sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Ausgrabungen in Kurnub wurden von A. Negev von der Hebräischen Universität Jerusalem und der Nationalpark-Behörde durchgeführt; die Ausgrabungen in Shivta datieren aus den 1930er Jahren. Reinigung und Restaurierung fanden für die Nationalpark-Behörde unter Leitung von A. Aviyonah statt; die Ausgrabungen in Avdat wurden von A. Negev für die Nationalpark-Behörde und die Hebräische Universität Jerusalem durchgeführt.