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Das Martyrius-Kloster

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Das Martyrius-Kloster
 
 
Luftaufnahme des Klosters

 

 

 

 

 

 

 

Der Mosaik-
fußboden des Refektoriums
 

Während der Bauarbeiten der neuen Stadt Ma'ale Adumim in den Judäischen Bergen östlich von Jerusalem (1982-1985) wurden die Überreste des großen byzantinischen Martyrius-Klosters auf einem Hügel im Zentrum der neuen Stadtanlage entdeckt. Der Hügel überblickt die Straße, die heute wie in der Antike von Jericho nach Jerusalem führt.

Das Martyrius-Kloster war eines der vielen Klöster mit Hunderten von Mönchen, die in der byzantinischen Zeit in der Jüdäischen Wüste gegründet worden waren. Nach zeitgenössischen Quellen wurde Martyrius in Kappadokien (in der heutigen Türkei) geboren und kam 457 in das Euthymius-Kloster östlich von Jerusalem. Er verließ das überfüllte Kloster und lebte als Einsiedler in einer nahen Höhle. Später diente er als Priester in der Grabeskirche und amtierte als Patriarch von Jerusalem (478-486). Während dieser Zeit ließ er wahrscheinlich das Kloster errichten, das seinen Namen trägt.

Das Martyrius-Klosters liegt auf einem nahezu quadratischen Grundstück und bedeckt eine Fläche von mehr als 10.000 qm. Es ist völlig von Mauern umgeben, die bis zu einer Höhe von 2 m erhalten sind.

Der Klostereingang lag auf der Ostseite der Mauer; Fassungen mit Eisengrund (für hölzerne Türflügel) sind erhalten. Ein runder Rollfelsen von 2,5 m Durchmesser wurde in situ auf der Innenseite des Tores gefunden. Er diente wahrscheinlich einer zusätzlichen Absicherung der Klosterpforte. Zahlreiche in Stein geschlagene Zisternen und ein Kanalnetz, das Regenwasser sammelte und in die Zisternen leitete, sicherten die Wasserversorgung in dieser halbtrockenen Region.

Die gesamte Klosteranlage ist um einen großen zentralen Hof errichtet. Sie umfaßt viele Räume, eine Kirche, etliche Kapellen, ein Refektorium, eine Küche, einen Lagerraum, ein Badehaus, eine Einfriedung mit Ställen und Futterkrippen für Tiere sowie eine Herberge außerhalb der Mauern.

Die Hauptkirche hatte eine Größe von 25,5 x 6,6 m. Sie war mit farbigen Mosaiken in runden und sechseckigen Rahmen mit Tierdarstellungen ausgelegt; leider sind davon nur wenige erhalten. Eine griechische Inschrift erwähnt die Äbte Genesius und Johannes, zu deren Angedenken die Kirche errichtet wurde.

Auf der Nordseite der Klosteranlage wurden in einer über mehrere Stufen zu erreichenden Höhle einige Skelette gefunden. Eine griechische Mosaikinschrift nennt die Namen dreier Priester, die dort begraben waren. Man nimmt an, daß der Mönch Martyrius in dieser Höhle gelebt hatte, bevor er in die Kirchenhierarchie Jerusalems berufen wurde.

Das große Refektorium (Speisesaal, 31 x 25 m) ist an den Wänden von steinernen Bänken umgeben und durch zwei Säulenreihen geteilt, die ein zweites Stockwerk trugen. Der Fußboden ist mit wunderbaren, farbigen Mosaiken bedeckt, die geometrische Formen nachzeichnen und intakt erhalten sind. Eine griechische Inschrift liest: "In der Zeit unseres heiligen Vaters Genesius, Presbyter (Kirchenältester) und Archimandrit (Abt), wurde auch diese Arbeit zu seinem Heil und für das Heil seiner Brüder in Christus durchgeführt. Diese Arbeit wurde im Monat März im ersten Jahr der Indiktion abgeschlossen."

Die Küche (21 x 6 m) neben dem Refektorium war ebenfalls mit Mosaiken gepflastert und enthielt marmorne Tische. Hunderte von Keramikgefäßen, Metallgegenständen, Reibutensilien, Kochtöpfen und viele tönerne Weinbecher wurden hier gefunden. Das Badehaus hatte einen Raum für heiße Bäder, dessen Fußboden auf niedrigen Backsteinsäulen lag. Ein Wasserbecken schloß sich diesem Raum an.

Außerhalb der Klosteranlage neben dem Haupteingang lag eine Herberge (43 x 20 m) mit einer Kapelle, Schlafräumen und Ställen, die den Bedürfnissen der zahlreichen Pilger diente, die die Stätte besuchten. Derartige Herbergen werden in zeitgenössischen Quellen als wichtiger Faktor des Klosterlebens in byzantinischen Zeiten erwähnt.

Das Kloster wurde während der persischen Invasion im Jahre 614 beschädigt und nach der arabischen Eroberung Mitte des 7. Jahrhunderts aufgegeben.

Die Stätte wurde von Y. Magen für die Israelische Antikenbehörde ausgegraben.

 
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