Das romische Boot vom See Genezareth

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Das römische Boot vom See Genezareth
 
 
Das römische Boot
 

Im Winter 1986 war der Spiegel des Sees Genezareth nach einigen Jahren der Trockenheit so stark gesunken, daß die Uferlinie des Sees weit zurückgetreten war. Zwei junge Männer entdeckten damals auf einem Spaziergang am Ufer südlich ihres Kibbuz - Ginosar am Westufer des Sees - im Schlamm die Umrisse eines Bootes. Zur Untersuchung des Fundes herangezogene Experten kamen zur Schlußfolgerung, daß es sich um die Überreste eines antiken Bootes handelte. Man entschied, das Boot sofort, noch vor einem eventuellen Ansteigen des Wasserspiegels, zu bergen.

Innovative, komplizierte Techniken waren notwendig, um das Boot zu heben und zu transportieren. Zunächst wurde ein massiver Deich um die Fundstätte angelegt, der eine Überschwemmung mit Seewasser verhindern sollte. Pumpen wurden eingesetzt, um das Eindringen von Grundwasser zu vermeiden. Das Holz des Bootes aber mußte feucht gehalten werden, während das Innere des Rumpfes vom Schlamm befreit und anschließend durch Fiberglas verstärkt und mit Polyurethanen angefüllt wurde. Unter dem Boot wurden Schächte angelegt und seine Seitenwände verstärkt. Nachdem die extrem brüchigen Überreste des Bootes sicher verpackt waren, wurde Wasser in die während der Ausgrabung angelegte Grube gepumpt und das Boot ans Ufer geschwemmt. Es fand seinen Platz zunächst in einem eigens angelegten Konservierungsbecken im Yigal Allon-Museum des Kibbuz Ginosar, wo die Polyurethanhülle entfernt und das Boot erneut unter Wasser gesetzt wurde. In einem mehrere Jahre dauernden Prozeß wurde dem Holz des Bootes synthetisches Wachs beigefügt, das ihm die notwendige strukturelle Stärke verlieh, um außerhalb des Beckens ausgestellt zu werden.

Das Boot wurde in einer senkrechten Lage zum Ufer gefunden, sein Heck wies auf den See hinaus; nur die unteren Teile des abgerundeten Hecks waren erhalten. Das Boot ist 8,2 m lang, 2,3 m breit und 1,2 m tief. Es ist in der bekannten Rumpfbauweise mit Fugen aus Nuten und Zapfen konstruiert und hauptsächlich aus Zederplanken und Eichenrahmen zusammengefügt worden. Die meisten Holzteile hatten hier bereits zum zweiten Male Verwendung gefunden, d.h. sie waren von alten, ausgedienten Booten entfernt worden. Zusätzliche Holzfragmente wurden in der Umgebung gefunden. Dies läßt darauf schließen, daß das Boot an einer Stelle lag, die als Schiffswerft gedient haben mag. Es war groß genug, um 15 Passagiere, einschließlich einer fünfköpfigen Besatzung, aufzunehmen. Obwohl es offensichtlich zum Fischfang eingesetzt worden war, mag es auch Personen und Güter über den See transportiert haben.

Aufgrund der Konstruktionstechnik und zweier Tongefäße, die ganz in der Nähe gefunden wurden, datieren Archäologen den Fund in die römische Zeit. Karbon-14-Untersuchungen haben bestätigt, daß das Boot zwischen 100 v.d.Z. und 70 n.d.Z. konstruiert und benutzt wurde.

Die wenigen Einzelheiten, die über Boote auf dem See Genezareth während der römischen Epoche bekannt sind, stammen aus schriftlichen Quellen wie den Schriften des Josephus Flavius oder des Neuen Testaments bzw. aus der Darstellung von Booten in Mosaikfußböden. Die Entdeckung des antiken Bootes vom See Genezareth hat daher weltweit Aufmerksamkeit gewonnen.

Das Boot wurde von S. Wachsmann und K. Raveh für die Israelische Antikenbehörde ausgegraben. O. Cohen war Konservator des Archäologenteams.