Überreste einer byzantinischen Kirche wurden 1992 in der Nähe des Klosters Mar Elias entdeckt, als die Straße
zwischen Jerusalem und Bethlehem erweitert wurde und Planierraupen zufällig einen Mosaikfußboden freilegten
und beschädigten. Während der ersten begrenzten Ausgrabung (Okt. 1992 - Feb. 1993) konnte nur eine Sektion des Westteils der Kirche freigelegt werden. Entdeckt wurde ein Mosaikfußboden, der zum Schutz und besseren Erhaltung nach Abschluß der Arbeiten wieder zugeschüttet wurde.
Die Stätte liegt in einem alten Olivenhain innerhalb der südlichen Stadtgrenze Jerusalems auf einem Grundstück im Besitz des griechisch-orthodoxen Patriarchats. Sie grenzt im Süden an eine Terrasse mit einem offenen Wasserreservoir, das unter seinem arabischen Namen Bir Kadismu bekannt ist. Bir bedeutet Wasserzisterne oder -Reservoir. Kadismu bewahrt den griechischen Namen des Ortes Kathisma, der "Sitz" bedeutet.
Erneute Ausgrabungen 1997 legten eine große, im 5. Jahrhundert errichtete und im 6. Jahrhundert renovierte Kirche frei. Im 8. Jahrhundert war der Bau in eine Moschee verwandelt und wenig später zerstört worden.
Die Dimensionen des Bauwerks und seine kunstfertige, achteckige Anlage weisen darauf hin, daß es sich um eine Kirche von höchster Bedeutung gehandelt hat. Um einen flachen, hervorspringenden Felsen (den "Sitz") als Mittelpunkt der Anlage verlaufen zwei oktagonale Hallengänge: der innere diente als Umgang (ambulatoria), von dem aus die Gläubigen den steinernen Sitz sehen konnten; der äußere Hallengang war in Räume und vier Kapellen gegliedert. Die gesamte Kirche war von einem quadratischen, in mehrere Räume mit Mosaikfußböden aufgeteilten Bau umgeben.
Nahezu alle Räume der Kirche waren mit bunten Mosaiken bedeckt; einige von ihnen wurden erst im 8. Jahrhundert hinzugefügt. Die Mosaiken sind in verschiedenen Nuancen von Rot-, Gelb- und Grüntönen ausgelegt und zeigen eine Vielfalt pflanzlicher und geometrischer Formen. Die kleinen Mosaiksteinchen liegen auf einem festen Mörtelgrund.
Unter den Motiven finden sich Guilloches (verschlungene Linien und Bänder), die von Medaillons mit Pflanzenmotiven durchbrochen werden. In den Ecken des Südraumes der Kirche finden sich vier Füllhörner (cornucopiae), die Akanthusblätter tragen, von denen Traubenranken ausgehen.
Nach der Schrift "Das Leben des Theodosius" aus dem 6. Jahrhundert hatte die reiche Witwe Ikelia den Bau der Kirchen- und Klosteranlage der "Alten Kathisma" während der Amtszeit des Jerusalemer Bischofs Juvenalis (450-458) veranlaßt. Der Bericht vermerkt, daß die Kirche an dem Rastplatz der Maria auf halbem Weg von Jerusalem nach Bethlehem errichtet worden und der Maria Theotokos (Gottesgebärerin) geweiht war. Außerdem sei der heilige Theodosius im 5. Jahrhundert zur Ausbildung als Mönch in das Kloster der "Alten Kathisma" entsandt worden. Seit dem 12. Jahrhundert galt eine Wasserzisterne in dieser Gegend als heilige Stätte; sie diente der Erfrischung und Rast der Pilger, die bis zum Ende des letzten Jahrhunderts auf der Straße von Jerusalem nach Bethlehem reisten.
Die Stätte ist gegenwärtig abgedeckt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Die Ausgrabungen wurden von R. Avner für die Israelische Antikenbehörde geleitet.