Jerusalem - Die Grabeskirche

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Jerusalem - Die Grabeskirche
 
 
Des Eingang der heutligen Grabeskirche
 

Konstantin der Große war der erste römische Kaiser, der das Christentum annahm und es zur offiziellen Religion des Römischen Reiches machte. Konstantin hatte seine Karriere als Herrscher der westlichen Regionen des Römischen Reiches begonnen (306); nach der Niederlage seiner drei Mitregenten stieg er 324 zum Alleinherrscher auf und hielt seine Machtposition unbestritten bis zu seinem Tod im Jahre 337. Konstantin erhob Byzantium zur neuerbauten Hauptstadt seines Reiches, der er den Namen Konstantinopel gab.

Im Jahre 326 war Konstantin bereits tief in die christlichen Angelegenheiten und kirchlichen Kontroversen verwickelt. So rief er eine Versammlung der Bischöfe aus allen Teilen des Reiches ein. Unter ihnen war auch Makarius, der Bischof von Aelia Capitolina, wie Jerusalem damals genannt wurde. Die zum Christentum übergetretene Mutter des Kaisers, Helena, zeigte sich stark bewegt durch den Bericht des Bischofs über den traurigen Zustand der Stätten, die durch Leben und Wirken Jesu geheiligt waren. Mit dem Einverständnis ihres Sohnes, seiner Autorität und seinen Finanzen brach sie zu einem Besuch ins Heilige Land auf.

In Jerusalem machte Helena die Stätte der Kreuzigung ausfindig (den Felsen, der als Golgatha galt) und das nahe Grab, das als Anastasis bekannt war (griechisch für Auferstehung). Der Kaiser beschloß den Bau eines entsprechenden Heiligtums an diesen Stätten - die prächtige Kirche des Heiligen Grabes, die in allen Einzelheiten von Eusebius, einem zeitgenössischen Historiker und Biographen, beschrieben wird.

Die Kirche wurde 614 von den Persern zerstört und wenig später zum Teil wiederhergestellt. 1010 wurde sie auf Befehl des Kalifen von Ägypten, al-Hakim, eingerissen und 1048 vom byzantinischen Kaiser Konstantin Monomachus erneut aufgebaut; 1144 errichteten die Kreuzfahrer die gesamte Kirche von neuem, fügten sie unter ein Dach und nahmen zahlreiche Veränderungen und Ergänzungen vor. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte verfiel die Kirche allmählich.

In den 1960er Jahren wurde im Rahmen einer geplanten Restauration der Grabeskirche eine umfassende Vermessung vorgenommen. In ihrem Zusammenhang fanden auch Grabungen unter den Fundamenten der heutige Kirche statt, die im wesentlichen dem Grundriß des Kreuzfahrerbaus folgt.

Mit Hilfe vorhandener schriftlicher Quellen, architektonischer Zeugnisse und archäologischer Funde, die während der Evaluierung gemacht wurden, konnte der Grundriß der gesamten Anlage der ursprünglichen Kirche rekonstruiert werden. Sie bestand aus vier ineinander übergehenden architektonischen Einheiten: Der Eingang von der Hauptstraße - dem Cardo - (heute die Hauptmarktstraße in der Altstadt) führte in einen Hof (östliches Atrium); von dort in die Basilika (Martyrium); in ein inneres Atrium (heiliger Garten); und in den Bau im Westen der Anlage, die Rotunde (Anastasis) mit dem Grab.

Rekonstruktion der ursprünglichen byzantinischen Kirche (nach Corbo)


Der heutige Hof

Der Hof außerhalb der heutigen Grabeskirche liegt teilweise über einem großen Zisternengewölbe. Die Nordmauer der Zisterne ist beeindruckend. Sie besteht aus gewaltigen Blöcken mit ornamentierten Rändern und ist bis zu einer Höhe von mehreren Metern erhalten. Archäologen haben vermutet, daß diese frühe Mauer als eine Art Stützmauer für die von Kaiser Hadrian im 2. Jahrhundert an der Stätte angelegte erhöhte Plattform (Podium) gedient hat. Dies scheint die Behauptung des Eusebius zu stützen, daß der von Kaiser Hadrian angeblich über dem Grab Jesu errichtete Venustempel an dieser Stelle gestanden hat, bevor die erste Kirche gebaut wurde.

Die Basilika

Frühes Mauerwerk unter dem katholikon der Kreuzfahrerzeit wurde während der Ausgrabungen freigelegt. Dies ermöglichte die Rekonstruktion der ursprünglichen Gestalt der Basilika des 4. Jahrhunderts. Die Position der zwei zentralen Säulenreihen in der Basilika (von insgesamt vier Reihen) konnte aus den Überresten ihrer Fundamente bestimmt werden, die entlang der Nord- und Südseite der St.-Helena-Kapelle erkennbar sind. In einem kleinen unterirdischen Raum nördlich dieser Kapelle wurde die massive Grundmauer der frühen Basilika freigelegt. In einen großen, bearbeiteten Stein, der hier eingemauert worden war, hatte ein Besucher der frühen Kirche die Darstellung eines Handelsschiffes und die lateinische Inschrift "Oh Herr, wir wollen gehen" eingeritzt. Unter der Apsis des heutigen katholikon wurde ein Teil der Apsis freigelegt, die am westlichen Ende des ursprünglichen Kirchenbaus lag. Eusebius beschreibt diese Apsis und erwähnt, daß sie von zwölf, die Apostel symbolisierenden Säulen umstanden wurde.

Die Rotunde und das Grab

Das wichtigste Element der Kirche ist die Rotunde mit dem Heiligen Grab selbst. Das Grab liegt in einem reich verzierten Kapellenbau innerhalb der Rotunde, deren ornamentiertes Kuppeldach von Säulen getragen wird.

Einige Mauerreste wurden unterhalb des Fußbodens im Umkreis der Rotunde gefunden. Wo Felsboden freigelegt werden konnte, fanden sich stets auch Hinweise auf Bearbeitungen des Felsens aus früheren Zeiten. Hier war der ursprüngliche Felsen abgetragen worden, um das Oberflächenniveau um das Grab zu senken. Der Grabbau lag in der Folge also wesentlich höher als seine Umgebung. Die archäologische Vermessung an der Außenmauer der Rotunde - 35 m im Durchmesser und in einigen Abschnitten bis zu einer Höhe von 10 m erhalten - zeigte, daß hier die ursprüngliche Form des Baus aus dem 4. Jahrhundert erhalten ist. Die Grabkapelle selbst wird von einem Zirkel aus zwölf Säulen umgeben - Gruppen von drei Säulen zwischen vier Paaren quadratischer Pfeiler. Es ist möglich, daß die Säulen für die erste Rotunde des 4. Jahrhunderts von der Fassade eines römischen Tempels stammten. Bei der Renovierung der Pfeiler zeigte sich, daß die Säulen zunächst wesentlich höher waren und von den Kreuzfahrern halbiert wurden, um für den Bau der Rotunde im 12. Jahrhundert verwendet werden zu können.

Die Renovierungsarbeiten in der Grabeskirche dauern gegenwärtig noch an. Doch nach einigen Generationen der Vernachlässigung hat das Bauwerk viel von seiner früheren Pracht zurückerhalten.

Vermessung und Ausgrabungen wurden von V. Corbo, Ch. Coüasnon, M. Broshi und anderen für die christlichen Gemeinschaften durchgeführt, die die wesentliche Kontrolle über die Grabeskirche ausüben: die römisch-katholische Kirche, die griechisch-orthodoxe Kirche und die armenische Orthodoxie.