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Jerusalem: Das Coenaculum auf dem Zionsberg

 
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Das Coenaculum auf dem Zionsberg

 
 

 

 

 

 

Foto: Z. Radovan
 

"Dann kehrten sie vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben." (Apg. 1,12-13)

Der als Coenaculum oder Zönakel (Refektorium) bezeichnete Ort ist ein kleiner, zweistöckiger Bau innerhalb eines größeren Gebäudekomplexes auf dem Zionsberg. Das Obergeschoß ist von den Franziskanern im 14. Jahrhundert in Erinnerung an das Letzte Abendmahl Jesu errichtet worden. Es wird auch mit dem "Obergemach" identifiziert, in dem am Pfingstfest die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu erfolgte (Apg. 2,2-3). In christlicher Tradition war der heutige Zionsberg das Stadtgebiet Jerusalems, in dem die ersten Christen lebten. (Der geographische Name "Zion" wurde auf nicht geklärte Weise vom Tempelberg auf diesen Hügel im südwestlichen Teil der Stadt übertragen, vielleicht bereits im 4. Jahrhundert durch ein falsches Verständnis von Micha 3,12, wo von zwei Bergen - Zion und dem Tempelberg - die Rede zu sein scheint.)

Der Raum im Erdgeschoß unter dem Coenaculum enthält ein Kenotaph, das seit dem 12. Jahrhundert als "Grab König Davids" bekannt ist - obwohl die Begräbnisstätte des Königs dem biblischen Bericht zufolge in der "Davidstadt" auf dem
Ophel-Hügel lag (1. Kg. 2,10). Unter dem heutigen Fußboden finden sich ältere Fundamente aus der Kreuzfahrerzeit, der byzantinischen und sogar römischen Epoche. Eine Apsis direkt hinter dem Kenotaph ist auf den Tempelberg ausgerichtet. Dieser Umstand führte zu Spekulationen, es habe sich bei dem Gebäude ursprünglich um eine Synagoge oder gar um "die Synagoge" gehandelt, die der Pilger von Bordeaux im Jahre 333 erwähnt.

Später wurde diese Gegend des Hügels zum Teil von der byzantinischen St. Zions-Kirche (Hagia Zion), der "Mutter aller Kirchen", bedeckt (dargestellt auf der Madaba-Mosaikkarte aus dem 6. Jahrhundert). Sie wurde von den Persern im Jahre 614 zerstört. Die im 12. Jahrhundert von den Kreuzfahrern errichtete St. Marien-Kirche und das dazugehörige Kloster standen dann auf den Fundamenten dieser älteren Basilika. Beide Kreuzfahrerbauten wurden 1219 ebenfalls zerstört (eventuell als die Mauern und Stützpunkte um die Stadt auf Befehl des Aijubidensultans al-Muazzam geschleift wurden).

Die heutige Kapelle des Coenaculum geht in ihrer Architekturgestalt auf die Franziskaner zurück, die diesen Raum 1335 anläßlich ihrer Rückkehr in die Stadt errichtet haben. Das Rippengewölbe der Decke ist typisch für die lusitanische oder zypriotische Gotik. Der reich verzierte Mihrab, die muslimische Gebetsnische, wurde 1523 eingefügt, als die Franziskaner aus dem Gebäude vertrieben und der Raum in eine Moschee umgewandelt wurde.

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