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Kapernaum: Die Synagoge

 
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Die Synagoge

 
 

 

 

Foto: Z. Radovan
 

"Sie kamen nach Kapernaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte."
(Mk. 1,21)

Die Ruinen der großen Synagoge wurden erstmals 1866 während einer Vermessung durch den britischen Kartographen Charles W. Wilson identifiziert. Der Bau wurde 1926 teilweise rekonstruiert. Die Datierung der Synagoge von Kapernaum ist jedoch weiterhin eine in der Forschung umstrittene Frage. Sicher ist, daß die heutigen Ruinen nicht zu der im Markusevangelium erwähnten Synagoge gehören. Sie sind vielmehr Überreste einer späteren Synagoge, die wahrscheinlich an der Stätte eines älteren Baus aus dem 1. Jahrhundert n.d.Z. errichtet worden ist.

Die Synagoge ist aus importiertem weißen Kalkgestein auf einem Fundament aus Basalt errichtet worden. Sie gleicht im Grundriß der Anlage der Synagoge von Chorazin (Korazim, 4 km nördlich) aus dem 4. Jahrhundert und der Synagoge in Baram (im nördlichen Galiläa) aus dem 3. Jahrhundert, doch die architektonische Ornamentik der Synagoge in Kapernaum ist wesentlich ausgeprägter - mit korinthischen Kapitellen und sorgfältig gearbeiteten Steinreliefs (Darstellungen von Wein- und Feigenblättern, geometrischen Formen, Adlern u.a.). Ein Relief zeigt einen Karren, auf dem ein vermutlich beweglicher Thoraschrein steht. Besucher zeigen sich bisweilen durch den Umstand irritiert, daß unter den architektonischen Ornamenten auch Hakenkreuze zu finden sind; doch dies war eine verbreitete geometrische Form in der Antike.

Eine aramäische Inschrift aus dem 4. Jahrhundert auf einem abgebrochenen Säulenschaft nennt als Namen des Stifters "Chalfu, Sohn des Zebida". Diese Namen werden in ihrer griechischen Form (Alphäus und Zebedäus) auch im Neuen Testament erwähnt.

Die Synagoge wurde in ihrem damaligen Zustand im Jahre 381 von der spanischen Pilgerin Egeria beschrieben, die berichtet, daß der Weg zu dem Bau über viele Stufen führte und das Gebäude selbst aus bearbeitetem Gestein errichtet war.

Die prachtvolle Anlage der Synagoge hat wesentlich zur Kontroverse um die genaue Datierung des Gebäudes beigetragen. Verschiedene Theorien wurden in diesem Zusammenhang von der Forschung entwickelt. Belege für eine Datierung ins 4. Jahrhundert stützen sich zum Teil auf Münzen und Keramik, die unter dem Fußboden der Synagoge gefunden wurden. Frühdatierungen ins 2. Jahrhundert gehen davon aus, daß diese Gegenstände durch spätere Reparaturarbeiten und Rekonstruktionen in den Bau gelangten, die eventuell nach einem Erdbeben im Jahre 363 notwendig geworden waren. Eine weitere Möglichkeit ist, daß die Synagoge während der kurzen Regierungszeit des Kaisers Julian Apostata (361-363) erbaut wurde. Dies würde mit der Zeit des Erdbebens korrespondieren.

Synagoge und Kirche in Kapernaum wurden im frühen 7. Jahrhundert (kurz vor der arabischen Eroberung 636) zerstört. Angesichts der damaligen Spannungen zwischen christlichen und jüdischen Gemeinden wurde allerdings auch vermutet, daß die Kirche eventuell bereits der persischen Invasion von 614 zum Opfer fiel, und die Synagoge dann 15 Jahre später während der erneuten kurzen byzantinischen Herrschaft zerstört wurde. Sollte dies der Fall gewesen sein, dann ist es nur angemessen, daß eine der ersten Begegnungen des modernen religiösen Dialogs zwischen Christen und Juden 1942 im nahegelegenen Tiberias stattgefunden hat: eine Diskussionsreihe mit George L. B. Sloan, Pfarrer an der schottischen Kirche in Tiberias, und dem jüdischen Schriftsteller und Dozenten Schalom Ben-Chorin.

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