Die Stadt Tiberias liegt am Westufer des Sees Genezareth. Im 6. Jahrhundert ließ der byzantinische Kaiser Justinian Tiberias, das damals seine größte Ausdehnung erreicht hatte, von einer Stadtmauer umgeben. Sie umfaßte auch die steilen Hänge im Westen und den höchsten Punkt der Umgebung, den Berg Berenike. Hier wurden zwischen 1990 und 1993 die Überreste einer byzantinischen Kirche mit ungewöhnlichen Ritualgegenständen freigelegt. Die Kirche war in die Befestigungsmauern der Stadt einbezogen worden. Von ihrem Standort bietet sich ein atemberaubender Blick über den gesamten See Genezareth, seine Ufer und die Berge am Horizont.
Die Kirchenanlage hat eine Größe von 48 x 28 m. Zu ihr gehören ein Atrium/Hof, eine Kirche im Basilikastil mit drei Apsiden und zahlreiche, um die zentrale Anlage gruppierte Räume. Die Mauern sind aus quadratischen Basaltblöcken errichtet und mit weißem Putz überzogen. Der Fußboden ist mit bunten Mosaiken bedeckt.
Der Innenhof ist ungewöhnlich geräumig. Er war von Gängen umgeben, die auf Quadratpfeilern ruhten und mit schwarz-weißen-Rahmenmosaiken geschmückt waren. Unter dem Hof liegt eine große Zisterne, deren Decke durch eine Reihe von Bögen abgestützt wird. Regenwasser wurde von den Dächern und dem Innenhof gesammelt und durch Rinnen in die Zisterne geleitet.
Entlang des eigentlichen gottesdienstlichen Raumes der Kirche standen zwei Säulenreihen, die das Dach trugen. Die mittlere Apsis in der Ostmauer hatte zwei Reihen halbrunder Steinbänke. Der Fußboden der Kirche war teilweise mit bunten Mosaiken - darunter Darstellungen von Trauben, Granatäpfeln und Vögeln - und teilweise mit Marmorplatten in geometrischen Formen bedeckt.
Im Zentrum der erhöhten Mittelapsis wurde das Fundament eines Steinaltars freigelegt. Darunter befand sich eine marmorne Platte, die eine Vertiefung bedeckte, in der wiederum ein großer, sorgfältig bearbeiteter Basaltstein von 55 x 35 x 11 cm lag. Der untere Teil des Steins hat die Form eines grob gearbeiteten Kegels. Dies läßt darauf schließen, daß er ursprünglich dazu bestimmt war, im Boden versenkt zu werden. In der Mitte des Steins befindet sich eine kegelförmige Durchbohrung; es handelt sich augenscheinlich um eine Art Anker, wie er in kleinerer Form vielleicht von Booten auf dem See Genezareth benutzt wurde. Der Steinanker wurde in der Kirche aufbewahrt und wahrscheinlich in Zusammenhang mit dem Wirken Jesu auf dieser Seite des Sees kultisch verehrt.
Um den Hof und die Kirche lagen zahlreiche Räume mit Mosaikfußböden. Sie dienten den Geistlichen, die die Kirche unterhielten und sich um die vielen Besucher kümmerten.
Das Heiligtum wurde 749 durch ein Erdbeben beschädigt und anschließend in kleineren Dimensionen wiederaufgebaut. Der Neubau wies einige islamische Architekturelemente wie Spitzbögen unter Säulenpaaren auf. Diese Kirche blieb ungewöhnlicherweise mit nur geringen baulichen Änderungen während der gesamten muslimischen Herrschaft im Lande in Gebrauch. Die Kreuzfahrer stützten den Kirchenbau dann mit äußeren Pfeilern ab und fügten der Fassade einen Glockenturm hinzu.
Der Bau wurde 1187 bei der muslimischen Eroberung von Tiberias zerstört. Seine Trümmer lagen auch vor den archäologischen Arbeiten sichtbar an der Oberfläche, blieben jedoch dank des schwierigen Zugangs zur Stätte und der Entfernung von der Stadt relativ gut erhalten.
Die Ausgrabungen wurden von Y. Hirschfeld für die Israelische Antikenbehörde geleitet.