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MFADE     2000_2009     2005     Stellungnahme des Minister-präsidenten Sharon auf dem Gipfel von Sharm el-Sheikh 8-Feb-2005

Stellungnahme des Minister-präsidenten Ariel Sharon auf dem Gipfel von Sharm el-Sheikh

 

Guten Tag.

Ich möchte zunächst dem ägyptischen Präsidenten Herrn Hosni Mubarak für die willkommene Initiative und die großzügige Gastfreundschaft danken, die diesen wichtigen Gipfel ermöglicht haben. Wir alle hoffen und beten, daß dieser Tag als ein Tag in Erinnerung bleiben wird, an dem der Prozeß einer Verwirklichung des Strebens nach einem ruhigen, würdigen und friedvollen Leben der Völker des Nahen Ostens begann.

Ich möchte auch Seine Majestät, König Abdullah, zur Geburt seines Sohnes Hashem beglückwünschen und ihm herzlich zu seinem eigenen Geburtstag gratulieren. Mögen Sie sich eines langen, frohen Lebens erfreuen und in der Lage sein, Ihrem Volk Frieden und Wohlstand zu bringen, und hoffentlich können wir zusammen, die Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten intensivieren.

Meine Glückwünsche gehen auch an Sie, den Vorsitzenden der Palästinensischen Behörde, Herrn Mahmoud Abbas, für ihren beeindruckenden Sieg bei den Wahlen zur Palästinensischen Behörde.

Ihr Sieg und der Weg, auf dem Sie Ihr Volk führen möchten, können Ihrem Volk eine wirkliche Veränderung bringen, die die gesamte Region betreffen wird. Ich hoffe, Sie werden in der Lage sein, Ihr Volk auf dem Weg zu Demokratie und der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordung bis hin zur Errichtung eines unabhängigen, demokratischen palästinensischen Staates zu führen.

2005 begann als ein Jahr der großen Möglichkeiten für alle Völker der Region, vor allem für Israelis und Palästinenser. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, daß diese Möglichkeiten nicht versäumt werden.

Wir haben eine Möglichkeit, den blutgetränkten Weg, der uns in den letzten vier Jahren aufgezwungen wurde, zu verlassen. Wir haben eine Möglichkeit, einen neuen Weg einzuschlagen. Zum ersten Mal seit langer Zeit gibt es in unserer Region wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft für unsere Kinder und Enkel.

Wir müssen mit aller Vorsicht voranschreiten. Es ist eine zerbrechliche Gelegenheit, die Extremisten auszunutzen versuchen werden. Sie möchten das Fenster dieser Gelegenheit zuschlagen und unsere beiden Völker in Blut ertränken. Wenn wir nicht augenblicklich handeln - könnten sie letztlich in ihrem Plan erfolgreich sein.

Es gibt nur eine Antwort an diese Kräfte: Wir alle müssen hier und heute erklären, daß die Gewalt nicht siegen wird, daß wir nicht zulassen werden, daß die Gewalt die Hoffnung tötet. Wir müssen uns alle verpflichten, keiner vorübergehenden Lösung zuzustimmen, der Gewalt nicht zu erlauben, sich zu erheben, sondern gemeinsam entschlossen zu handeln, um die terroristische Infrastruktur zu beseitigen, sie ein für alle Mal zu entwaffnen und zu besiegen. Nur durch eine Zerschlagung des Terrors und der Gewalt können wir Frieden erreichen.

Ich möchte diese Gelegenheit nicht versäumen - wir dürfen den neuen Geist, der unseren Völkern Hoffnung bringt, nicht an uns vorübergehen lassen, so daß wir mit leeren Händen zurückbleiben.

Daher haben wir rasch und entschlossen gehandelt, auch weil wir die Bedürfnisse der palästinensischen Seite erkannt haben. Während der letzten Tage sind wir mit unseren palästinensischen Kollegen zu einem Einverständnis gelangt, mit dem unseren beiden Völkern in nächster Zukunft Frieden und Sicherheit gewährt werden können. Heute sind wir im Gespräch mit dem Vorsitzenden Abbas übereingekommen, daß alle Palästinenser alle Gewaltakte gegen alle Israelis, wo immer sie auch seien, einstellen werden, und daß Israel im Gegenzug alle militärischen Aktionen gegen alle Palästinenser überall einstellen wird. Wir hoffen, daß wir heute eine neue Zeit des Friedens und der Hoffnung beginnen. Darüber hinaus haben wir uns über den Prozeß geeinigt, in dem die Sicherheitsverantwortung
für die palästinensischen Gebiete übertragen werden soll.

Ich habe den Vorsitzenden Abbas von unserer Absicht in Kenntnis gesetzt, eine Reihe von vertrauensbildenden Maßnahmen einzuleiten: In Kürze werden wir palästinensische Häftlinge in die Freiheit entlassen und auch ein gemeinsames Komitee ins Leben rufen, daß zukünftige Entlassungen von Häftlingen vorbereiten soll.

Wir möchten einen offenen, ehrlichen Dialog führen, um diese ersten Schritte zu einer festen Grundlage für den Ausbau unserer Beziehungen werden zu lassen.

Ich bin entschlossen, den von mir angeregten Plan einer Abkopplung durchzusetzen. Der Abkopplungsplan war eine einseitige Initiative. Wenn sich nun auf palästinensischer Seite neue Chancen ergeben, dann kann die Abkopplung Hoffnung bringen und einen Ausgangspunkt für einen koordinierten, erfolgreichen Prozeß bieten.

Der Abkopplungsplan kann den Weg für die Implementierung der „Road Map“ ebnen, zu deren Umsetzung wir verpflichtet sind. Wir sind bereit, alle eingegangenen Verpflichtungen aktiv zu erfüllen,
und wir erwarten von der anderen Seite, daß sie ebenfalls allen ihren Verpflichtungen nachkommen wird. Handeln, nicht reden - das ist der einzige Weg, um die Vision zweier, friedlich miteinander lebender Staaten zu erfüllen.

Bitte erlauben Sie mir, mich an die Angehörigen beider Völker zu wenden:

Unseren palästinensischen Nachbarn versichere ich, daß wir die aufrechte Absicht haben, Ihr Recht, in einem unabhängigen Staat in Würde zu leben, zu respektieren. Ich habe bereits gesagt, daß Israel kein Verlangen zeigt, weiterhin über Sie zu regieren und ihr Schicksal zu bestimmen. Wir in Israel mußten schmerzlich aus unseren Träumen erwachen, und wir sind entschlossen, alle Hindernisse zu beseitigen, die vielleicht auf unseren Weg zur Realisierung der neuen Chancen gelegt werden. Auch Sie müssen zeigen, daß Sie die Kraft und den Mut aufbringen, Kompromisse einzugehen, unrealistische Träume aufzugeben, den Kräften entgegenzutreten, die sich dem Frieden entgegenstellen, und daß Sie mit uns Seite an Seite in Frieden und gegenseitigem Respekt leben wollen.

Den Bürgern des Staates Israel sage ich: Wir haben schwierige Jahre hinter uns, waren mit äußerst schmerzlichen Erfahrungen konfrontiert und haben sie überwunden. Die Zukunft liegt vor uns. Von uns werden schwere und kontroversale Schritte erwartet, aber wir dürfen die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen und müssen versuchen, das zu erreichen, was wir seit so vielen Jahren möchten: Sicherheit, Ruhe und Frieden.

Und ein abschließender Aufruf an unsere Gastgeber und die arabischen Führer in der Region: Lassen Sie uns einander die Hände reichen und eine neue Atmosphäre der Offenheit und Toleranz in unserer Region schaffen. Zusammen können wir einen Wall gegen die radikalen Kräfte von Gestern errichten, die drohen, uns alle in einen Strudel von Blut und Haß zu reißen. Zusammen können wir unsere gemeinsamen Beziehungen fördern und den ersten Strahl der Hoffnung für die Völker des Nahen Ostens entzünden. Zusammen können wir unseren Völkern ein Leben in Freiheit und Stabilität, Wohlstand und Frieden gewähren.

Mögen wir alle uns dieser großen Gelegenheit, die uns geboten wird, als würdig erweisen.

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