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Visit of Pope to Israel     Deutsch     Ansprache des israelischen Staatsrpräsidenten Shimon Peres, anlässlich des Besuches von Papst Benedikt XVI 11-May-2009

Ansprache des israelischen Staatsrpräsidenten Shimon Peres, anlässlich des Besuches von Papst Benedikt XVI

11 May 2009
Der Staat Israel begrüsst Sie heute von ganzem Herzen und heisst Sie bei uns willkommen. Hier, in der Heimstätte des Jüdischen Volkes, freuen  wir uns, Sie und Ihre Delegation auf Ihrer Reise ins Heilige Land bei uns zu empfangen
  
President Peres and Pope Benedict XVI in the garden of the Presidential Residence, Jerusalem (Photo: Reuters)
  

Photo: Reuters

Ansprache des israelischen Staatsrpräsidenten Shimon Peres, anlässlich des Besuches von Papst Benedikt XVI

Eure Heiligkeit:

Der Staat Israel begrüsst Sie heute von ganzem Herzen und heisst Sie bei uns willkommen. Hier, in der Heimstätte des Jüdischen Volkes, freuen  wir uns, Sie und Ihre Delegation auf Ihrer Reise ins Heilige Land bei uns zu empfangen.

Entsprechend der aus den Tagen unseres Erzvaters Abraham stammenden Tradition der Gastfreundschaft, möchten wir Sie voller Anerkennung willkommen heissen. 

Wir  sind empfänglich für ihre Botschaft und kommen Ihnen in  Freundschaft entgegen, bei ihrem Besuch in unserem Land. Wir begrüssen Sie mit dem Wort unserer Sprache, das das Wesen unserer Träume ausdrückt:

Eure Heiligkeit, Papst Benedikt der Sechzehnte: SHALOM.
שלום.

In Ihrer Person sehen wir den Förderer des Friedens; Einen grossen geistigen Wegweiser; Einen standfesten Überbringer einer Friedensbotschaft für dieses Land und für alle anderen.


Unsere Geschichte zeugt sowohl von der Einheit im Glauben an den Allmächtigen, als auch von den Folgen irdischer Uneinigkeit. Einer der Grundpfeiler des Judentum ist die Toleranz anderer Religionen.

Mit den Worten des Propheten Micha: "Ein jedes Volk wandelt im Namen seines Gottes, aber wir wandeln im Namen des HERRN, unseres Gottes, immer und ewiglich!" (Micha, Kapitel 4,Vers  5)

" כִּי, כָּל-הָעַמִּים, יֵלְכוּ, אִישׁ בְּשֵׁם אֱלֹהָיו; וַאֲנַחְנוּ, נֵלֵךְ בְּשֵׁם-יְהוָה אֱלֹהֵינוּ--לְעוֹלָם וָעֶד".

Zersplitterungen sind langlebig, die Völker unserer Region sind jedoch der Kriege überdrüssig. Überlassen wir die Zersplitterung der Geschichte,
Schreiben wir die neue Geschichte in Lettern von Glauben und Frieden.

Wir haben die Besten und Mutigsten im Kampf verloren. Am Verhandlungstisch haben wir Hoffnung gefunden. Die Demokratie wurde weder durch Krieg noch durch Frieden unterbrochen. Unser Volk hat Leid ertragen. Unser Volk hat den Holocaust erlebt. Unser Staat ist aus der Asche unserer in Hitlers Gaskammern ermorderten unschuldigen Brüder und Schwestern hervorgegangen. Der Rauch der Krematorien wurde zu dem Licht, das unser Leben leitete.

Unsere Heimat in Israel bildet den Zufluchtsort für diejenigen, die einzig und allein den Tod sahen. Als Nachkommen der Opfer, sind unsere Herzen dem Leid Anderer empfänglich.

Eure Heiligkeit,

Geistliche Würdenträger können politischen Entscheidungsträgern den Weg ebnen. Sie können das Minenfeld, das den Weg zum Frieden hin behindert, räumen. Die geistlichen Würdenträgen sollten die Feindseligkeit herabsetzen, damit die Politiker keine destruktiven Mitten einsetzen.

Althergebrachte Spaltungen sind gealtert, geschrumpft. Daher sind wir weniger auf ein weiteres Panzerfahrzeug angewiesen, als auf einen inspirierenden Geist, der sowohl die Überzeugung vermittelt, dass der Frieden in greifbarer Nähe ist, als auch den brennden Wunsch überträgt, ihn zu verfolgen. Zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Jüdischen Volk werden jetzt Bande des Verständnisses und der Versöhnung gewoben.

Dieser Prozess und Ihre Führung liegen uns am Herzen. Unsere Tore stehen ähnlichen Initiativen aus der muslimischen Welt offen. Seit dem Tag, an dem wir nach unserem zweitausendjährigen Exil in unser Heimatland zurückkehrten, sind wir der Religionsfreiheit aller Menschen dieses Landes verpflichtet und der Freiheit jedes einzelnen, seinen Gott auf seine eigene Art und Weise anzubeten.

Wir alle: Juden, Christen, Muslime, alle gläubigen Völker erkennen, dass die Herausforderung von heute nicht in der Trennung von Religion und Staat liegt, sondern in der kompromislosen Trennung von Religion und Gewalt. Unser universeller Gott befahl uns , nicht zu töten und trug uns auf, das menschliche Leben zu ehren.

In der Vergangenheit war zwar die  Feindschaft gross, die Gefahr durch Pfeil und Bogen jedoch war beschränkt.

Heutzutage sind die Gefahren der modernen Waffen unbegrenzt und jeder, noch so geringe Ausdruck der Feindschaft, kann den Auslöser für die Zerstörung ganzer Völker, Nationen, sogar der gesamten Menschheit darstellen.

Eure Heiligkeit,

Dieses Jahr, das Jahr Ihres Besuches in unserem Land, kann für uns und unsere Nachbarn die Gelegenheit in sich bergen, den Frieden zu erreichen.
Während viele politische Wolken den Horizont verdunkeln und die Stimmen der Hetze die Friedenstöne überlagern und viel Gewalt auf den Wegen unseres Lebens zusammentreffen sehnen  die Völker dieser Region den Frieden herbei. 

Als Antwort auf ihr Sehnen können gemeinsame Anstrengungen dieses Jahr noch in ein historisches verwandeln, zum Wohle Aller Völker, Aller Religionen, Aller Kinder. Ein Jahr des regionalen, nicht nur des lokalen Friedens.

Aus unserem Land, aus Jerusalem, aus dem Land, auf dem die Propheten wandelten, möchte ich ein Gebet entsenden:
Mögen die Mauern der Feindschaft fallen, der Hass der Vergangenheit verschwinden.

Möge eine neue Geschichte ein neues Morgengrauen einläuten, um den kommenden Generationen den Frieden in die Wiege zu legen, ein Leben in Frieden zu erlauben, und ihren Nachkommen ein Erbe des Friedens anzuvertrauen.

Mögen wir von Bedrohungen und Gewalt befreit werden, und allen Völkern Gerechtigkeit gewährt werden.

Sicherheit für jeden Menschen.

Dieses Gebet, das an Gott gerichtete Gebet eines Menschen, wird sein Ziel erreichen.

Jeder Einzelne wird dieses Gebet  in seiner Sprache formulieren, jedes Gebet in gutem Glauben Unzensiert und unbehindert. Wir beten um ein Leben in Ruhe und Freiheit für jeden Menschen, in seinem Heim, mit seiner Familie und seinen Kindern. Weder in Heimen von Untertanen, noch in Heimen von Herrschern.

Lasst uns zusammen beten, dass Mütter, alle Mütter, unabhängig von Religion oder Nationalität, weder Leid noch Angst erleben mögen
und Kinder aufziehen mögen, die nie die Sünde kennenlernen, Kinder, deren Zukunft nicht gefährdet ist.

Eure Heiligkeit, mit Ihnen wollen wir beten, dass der Schöpfer uns die Weisheit gewährt, demütig zu sein, die Fähigkeit, andere nicht zu demütigen, das Bewusstsein, dass jeder Mensch im Antlitz Gottes erschaffen ist.

Zwar sind wir verschieden, die Essenz der Gleichberechtigung beinhaltet jedoch genau das  Recht auf den Unterschied.
 
Unterschiede sollten nie mit dem gezückten Schwert angegangen werden.

Unseren Auftrag zu unterstreichen, die Würde des Menschen wiederherzustellen; Die Reinheit der Luft; Die Reinheit des Wassers; Die Fruchtbarkeit des Bodens; Die Hoffnung der Jugend.

Eure Heiligkeit,

Während Sie an den Toren des Ewigen Jerusalem stehen, wird unser Segen Sie aus diesem Ort,  aus der Stadt Gottes, begleiten, mit dem Wunsch, dass Ihre Gebete sowohl den Himmel, als auch das Gehör der Menschen erreichen.

Mögen die Strahlen der Geschichte  Ihre Schritte auf dem Boden des Heiligen Landes erleuchten.

Wir heissen Sie in Frieden willkommen. Möge das Erbe des Friedens nach Ihrer Abreise verweilen. Möge Ihr Besuch den Frieden herbeiführen.


 

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