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Fokus Israel: Die christlichen Gemeinschaften in Israel

20 Apr 2009
 
     

Die christlichen Gemeinschaften in Israel
Yishai Eldar

Yishai Eldar ist der ehemalige Herausgeber von Christliches Leben in Israel

 
 

 

 

 

 

Die Geschichte der christlichen Gemeinden im Lande Israel beginnt mit dem Leben und geistlichen Wirken des Jesu von Nazareth. Nach seinem Tod blieb die frühe apostolische Kirche zumindest in der Gegend in und um Jerusalem vorwiegend judeo-christlich – bis Kaiser Hadrian die Stadt gegen 130 n. Chr. als Aelia Capitolina wiederaufbauen ließ. Von jenem Zeitpunkt an waren auch die Gläubigen der einheimischen Kirche Nichtjuden. Bis zur muslimischen Eroberung im 7. Jahrhundert hatte sich die östliche Kirche bereits in diverse Gruppen aufgespalten, obwohl diese die heiligen Stätten offenbar weiterhin gemeinsam benützten. Erst mit dem Königreich der Kreuzfahrer und der Vorherrschaft (dem Praedominium) der Lateinischen Kirche des Westens kam es zu Streitigkeiten bezüglich der heiligen Stätten. Diese wurden auch während der Zeit der Mamelucken und der Osmanen nicht beigelegt und bestanden bis zur Erklärung des Status Quo 1852 fort.

Mehr als sieben Millionen Menschen leben heute in Israel, die Christen stellen davon etwa 2% dar (Juden 75,5%, Muslime 16,5%, Drusen 1,7% und 4,4% sind ohne spezifische Glaubenszugehörigkeit).

Grundsätzlich lassen sich die christlichen Gemeinden in vier Kategorien unterteilen: die chalcedonensisch-orthodoxe, die nicht-chalcedonisch-orthodoxe (mitunter auch als monophysitisch bezeichnete), die römisch-katholische (lateinische oder unierte) und die protestantische Kirche. Diese Gemeinden bestehen aus etwa 20 alten einheimischen Kirchen sowie weiteren 30 vorwiegend protestantischen Konfessionen. Abgesehen von nationalen Kirchen wie zum Beispiel der armenischen Kirche sind die einheimischen Gemeinden vorwiegend arabischsprachig; die meisten davon höchstwahrscheinlich Nachfahren frühchristlicher Gemeinden aus byzantinischer Zeit.

Die chalcedonensisch-orthodoxen Kirchen

Die chalcedonisch-orthodoxen (auch als östlich-othodox bezeichneten) Kirchen sind eine Familie autonomer Kirchen, die den Doktrinen der sieben ökumenischen Konzile folgen, und das Ehrenprimat des Patriarchen von Konstantinopel anerkennen. Historisch gesehen entwickelten sich diese Kirchen aus den vier alten Patriarchaten des Orients: Alexandrien, Antiochien, Konstantinopel und Jerusalem.

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem betrachtet sich als "Mutterkirche" Jerusalems, deren Bischof 451 vom Konzil von Chalcedon die Patriarchenwürde erhielt. Im Schisma mit Rom im Jahr 1054 stellte es sich auf die Seite der anderen orientalisch-orthodoxen Kirchen. Seither sind das Patriarchat von Rom und das Patriarchat des Orients durch theologische und politische Dispute gespalten. Erst die historische Begegnung zwischen Papst Paul VI. und Athenagoras, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel 1964 in Jerusalem markierte den Beginn einer Versöhnung.

Über Jahrhunderte hinweg wurden die Interessen der griechisch-orthodoxen Kirche im Heiligen Land von der Bruderschaft des Heiligen Grabes vertreten, die sich bemühte, den Status der orthodoxen Kirche an den heiligen Stätten zu sichern und den hellenistischen Charakter des Patriarchats zu wahren. Die Gemeinden sprechen vorwiegend Arabisch und werden von verheirateten arabischen Priestern und Mitgliedern der Bruderschaft des Heiligen Grabes betreut.

Darüber hinaus sind noch zwei weitere altorientalische Nationalkirchen in Israel vertreten: die russische und die rumänische Kirche. Infolge einer Kirchengemeinschaft mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchat unterstehen beide  dessen lokaler Jurisdiktion.

 
 

Die russisch-
orthodoxe Kirche
 

Die Jerusalemer russisch-orthodoxe Mission wurde 1858 gegründet. Besuche russischer Christen im Heiligen Land hatte es jedoch schon seit dem 11. Jahrhundert, also wenigen Jahren nach der Christianisierung Kiews, gegeben. Sie wurden 900 Jahre lang fortgesetzt, bis sie sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu jenen großen jährlichen Pilgerfahrten entwickelten, die bis zum Ersten Weltkrieg stattfanden und mit Ausbruch der Bolschewikischen Revolution ein jähes Ende fanden. Seit 1949 liegt der Anspruch auf den russischen Kirchenbesitz in den Territorien, die bis damals zum Staatsgebiet Israels gehörten, in Händen der russisch-orthodoxen Mission (dem Patriarchat von Moskau); der Anspruch auf den Kirchenbesitz in Gebieten, die damals (1948-1967) unter jordanischer Verwaltung standen, verblieb bei der russisch-ekklesiastischen Mission, die die russisch-orthodoxe Exilkirche vertritt. Beide Missionen werden jeweils von einem Archimandriten angeführt, dem mehrere Mönche und Nonnen zur Seite stehen. Seit 2001 bemühten sich die beiden Mutterkirchen um einem Wiederannäherungs- und Versöhnungsprozess, der 2007 durch die Unterzeichnung des Aktes der kanonischen Gemeinschaft formal gekrönt wurde.

Eine Mission der rumänisch-orthodoxen Kirche wurde 1935 ins Leben gerufen. Auch sie wird von einem Archimandriten geführt und besteht aus einer kleinen Gemeinschaft in Jerusalem ansässiger Mönche  und Nonnen.


Die nichtchalcedonensischen orthodoxen Kirchen

Bei den nichtchalcedonischen orthodoxen Kirchen handelt es sich um Kirchen des Ostens (die armenische, koptische, äthiopische und die syrische Kirche), die sich seinerzeit geweigert hatten, die 451 vom Konzils von Chalcedon verabschiedeten Dogmen anzuerkennen. Einer dieser Lehrsätze betraf die Beziehung zwischen den Jesus zugeschriebenen menschlichen und göttlichen Eigenschaften.

Die armenisch-orthodoxe Kirche entstand bereits im Jahr 301, als die Armenier als erstes Volk das Christentum annahmen. Eine armenische Glaubensgemeinschaft in Jerusalem gibt es seit dem 5. Jahrhundert. Armenische Quellen bestimmen das Jahr 638 zum Gründungsdatum des ersten Patriarchats – nach einer Stiftungsurkunde des Kalifen Omar an den Patriarchen Abraham. Das armenische Viertel in der Jerusalemer Altstadt existierte bereits zur Kreuzfahrerzeit. Vom Ende des 19. Jahrhunderts an, insbesondere jedoch während des Ersten Weltkriegs und der Zeit unmittelbar danach, ist die Mitgliederzahl der lokalen Gemeinde auf Grund des starken Flüchtlingszustroms erheblichen gewachsen.
Die Wurzeln der koptisch-orthodoxen Kirche liegen in Ägypten, wo ein Großteil der Bevölkerung während der ersten Jahrhunderte n. Chr. zum Christentum konvertierte. Der koptischen Überlieferung zufolge kamen die ersten Gemeindemitglieder zu Beginn des 4. Jahrhunderts nach Jerusalem – mit der Heiligen Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin. Sehr früh schon beeinflusste diese Kirche die Entwicklung des Mönchstums in der Judäischen Wüste. Zur Zeit der Mamelucken (1250-1517) und später noch einmal 1830 unter Mohammed Ali erlebte die Gemeinschaft eine Blütezeit. Seit dem 13. Jahrhundert wird der (koptische) Patriarch von Alexandrien in Jerusalem von einem ortsansässigen Erzbischof vertreten.

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche ist spätestens seit dem Mittelalter und vielleicht sogar schon zuvor durch eine Jerusalemer Gemeinde vertreten. Frühe Kirchenhistoriker berichten bereits im 4. Jahrhundert von äthiopischen Pilgern im Heiligen Land. Mit Sicherheit lässt sich feststellen, dass die äthiopische Kirche in den darauf folgenden Jahrhunderten an den heiligen Stätten bedeutende Rechte genoss, von denen sie jedoch unter der Herrschaft der Osmanen – vor der Erklärung des Status quo – einen Großteil verlor.

Heute ist die äthiopisch-orthodoxe Kirche in Israel eine kleine, von einem Erzbischof geleitete Gemeinschaft. Sie besteht vorwiegend aus einigen Dutzend Mönchen und Nonnen, die in der Altstadt von Jerusalem, im Kloster der äthiopischen Kathedrale und im Westteil der Stadt zuhause sind. Hinzu kommt eine kleine Laiengemeinde. Seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Äthiopien im Jahre 1989 hat die Zahl der christlichen Pilger aus Äthiopien zugenommen, vor allem zur Weihnachtszeit und während der Osterfeierlichkeiten.

Die syrisch-orthodoxe Kirche ist die Nachfolgerin der antiken Kirche von Antiochien sowie eine der ältesten christlichen Konfessionen im Nahen Osten. Zu ihren Traditionen zählt der kontinuierliche Gebrauch der altsyrischen Sprache (Westaramäisch) in Liturgie und Gebet. Ihre Mitglieder sind auch unter der Bezeichnung Jakobiten bekannt (nach Jakob Baradai, der die Kirche im 6. Jahrhundert organisierte). Geistiger Führer dieser Kirche ist der in Damaskus lebende Patriarch von Antiochien und dem gesamten Orient. Seit 793 gab es auch in Jerusalem wiederholt einen syrisch-orthodoxen Bischof, auf Dauer ist dies seit 1471 der Fall. Heute wird die einheimische Gemeinde von einem Erzbischof geleitet, der im Jerusalemer St.-Markus-Kloster residiert.

Die römisch-katholischen und unierten Kirchen

 
 

 

 

 

 

 

Grabeskirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verkündigungs- kirche in Nazareth
 

Die römisch-katholischen und unierten Kirchen gehören zur Kirchengemeinschaft von Rom und erkennen das Primat sowie die spirituelle Autorität des Papstes an (der als Bischof von Rom das alte Patriarchat des Westens innehat). In liturgischen Fragen folgen die mit Rom verbundenen Ostkirchen allerdings ihren eigenen Sprachen und Traditionen.

Unabhängig davon, wie die frühen Beziehungen zwischen Rom und Konstantinopel beschaffen gewesen sein mögen, hatte es niemals einen Versuch gegeben, im Heiligen Land eine westliche, vom existierenden orthodoxen Patriarchat unabhängige Kirche einzurichten. Das galt bis zur Gründung des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem zur Zeit des Königreichs der Kreuzfahrer (1099-1291). Erst 1847 wurde das Amt des lateinischen Patriarchen aufs Neue konstituiert. Bis zu diesem Zeitpunkt lag die Verantwortung für die einheimische Kirche in Händen des Franziskanerordens, der seit dem 14. Jahrhundert als lateinischer Kustos für die heiligen Stätten verantwortlich gewesen war.

Heute wird das lateinische Patriarchat von Jerusalem von einem Bischof geführt, der den Patriarchentitel trägt. Ihm stehen drei Vikare zur Seite, die in Nazareth, Amman und Zypern residieren. In jüngsten Jahren kam für die Hebräisch sprechenden Kirchengemeinden des Landes ein vierter Vikar hinzu. Umgangssprachlich werden die einheimischen römischen Katholiken in Anlehnung an ihre historische liturgische Sprache als "Lateiner" bezeichnet. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil jedoch wird die römisch-katholische Liturgie im Allgemeinen in der jeweiligen Landessprache zelebriert. Das gilt mit Ausnahme einer Reihe heiliger Stätten, darunter die Grabeskirche und die Geburtskirche, wo die Messe und andere Gottesdienste nach wie vor in der lateinischen Sprache abgehalten werden.

Die maronitische Kirche ist eine christliche Glaubensgemeinschaft syrischen Ursprungs. Der Großteil ihrer Mitglieder lebt im Libanon. Seit 1182 gehört sie der römisch-katholischen Kirche an und ist somit die einzige rein katholische Kirche des Ostens. Als unierte Körperschaft (eine an die römisch-katholische Kirche angegliederte Ostkirche, die ihre jeweilige  Sprache, ihre Riten und ihr kanonisches Recht beibehält) besitzt sie ihre eigene Liturgie, einen antiochenischen Ritus in altsyrischer Sprache. Die meisten Mitglieder der maronitischen Gemeinde Israels leben in Galiläa. Das maronitische Patriarchalvikariat in Jerusalem wurde 1895 gegründet.

Die (melkitische) griechisch-katholische Kirche entstand 1724 in Folge eines Schismas in der griechisch-orthodoxen Kirche von Antiochien. (Der Begriff »Melkit«, wörtlich »Royalist« leitet sich vom altsyrischen, westaramäischen Wort »Malko« ab, das soviel bedeutet wie »königlich« oder »König«. Es wird seit dem 4. Jahrhundert gebraucht und bezeichnete damals jene einheimischen Christen, die die »Glaubenssätze« des chalcedonischen Konzils angenommen hatten und dem kaiserlichen Stuhl von Konstantinopel verbunden geblieben waren.)

Eine griechisch-katholische Erzdiözese wurde 1752 in Galiläa eingerichtet. Zwanzig Jahre später wurden die griechischen Katholiken Jerusalems der Jurisdiktion des melkitischen Patriarchs von Antiochien unterstellt, der in
Jerusalem durch einen Patriarchalvikar vertreten wird.

Die syrisch-katholische Kirche, eine unierte Splittergruppe der syrisch-orthodoxen Kirche, ist seit 1663 mit Rom verbunden. Die syrischen Katholiken haben ihren eigenen, in Beirut ansässigen Patriarchen. Seit 1890 dient ein in Jerusalem residierender Patriarchalvikar als geistiges Oberhaupt der kleinen örtlichen Gemeinde und der Gemeinde von Bethlehem. Im Juli 1985 segnete die Gemeinde ihre neue Patriarchalkirche in Jerusalem ein. Sie ist dem heiligen Thomas, dem Apostel der Völker in Syrien und Indien, geweiht.

Die armenisch-katholische Kirche trennte sich 1741 von der armenisch-orthodoxen Kirche, obwohl es schon zuvor im südanatolischen Cilicien eine seit der Kreuzfahrerzeit mit Rom verbundene armenische Gemeinde gegeben hatte. Da es ihm während der Herrschaftszeit der Osmanen verboten war, in Konstantinopel zu residieren, befindet sich die Residenz des armenisch-katholischen Patriarchen in Beirut. Ein Jerusalemer Patriarchalvikariat wurde 1842 gegründet. Obgleich diese Gemeinschaft dem römischen Kirchenbund angehört, unterhält sie gute Beziehungen zur armenisch-orthodoxen Kirche, und beide arbeiten zum Wohl der gesamten Volksgemeinschaft eng zusammen.

Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine unierte Nachfolgerin der alten (assyrischen) Apostolischen Kirche des Ostens (die manchmal auch als nestorianische Kirche bezeichnet wird). Ihre Mitglieder haben den Gebrauch des Altsyrischen (Ostaramäischen) als liturgische Sprache beibehalten. Diese Kirche wurde 1551 gegründet, ihr Patriarch residiert in Bagdad. Im Heiligen Land zählt die Gemeinde nur einige wenige Familien, dennoch behält die chaldäisch-katholische Kirche auch hier den Status einer »anerkannten« religiösen Gemeinschaft bei. Seit 1903 werden die Chaldäer in Jerusalem durch einen Patriarchalvikar vertreten, der nicht ortsansässig ist.

Die koptisch-katholische Kirche unterhält seit 1741 eine Kirchengemeinschaft mit Rom. 1955 ernannte der unierte koptisch-katholische Patriarch von Alexandrien einen Patriarchalvikar zur Betreuung der kleinen Gemeinde, die damals in Jerusalem lebte.

* * *

Ein äußerst wichtiges Ereignis für die katholischen Kirchen im Heiligen Land war die Unterzeichnung eines Grundlagenabkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel am 30. Dezember 1993. In Folge dieses Abkommens kam es  einige Monate später zur Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Staaten. 1997 unterzeichneten Israel und der Vatikan eine weitere Vereinbarung, die den rechtlichen Status der katholischen Kirche  in Israel regelt.


Die protestantischen Kirchen

Protestantische Gemeinden gibt es im Nahen Osten erst seit dem frühen 19. Jahrhundert und der Einrichtung der ersten diplomatischen Vertretungen westlicher Länder in Jerusalem. Absicht dieser Missionen war es, die muslimischen und jüdischen Gemeinden im Land zu evangelisieren, erfolgreich waren sie damit allerdings nur unter den arabischsprachigen orthodoxen Christen.

1841 beschlossen die Königin von England und der König von Preußen die Gründung eines gemeinsamen anglikanisch-lutherischen protestantischen Bistums in Jerusalem. 1886 fand dieses Gemeinschaftsprojekt zwar sein Ende, das Amt jedoch wurde zunächst von der Kirche von England beibehalten, die ihren Jerusalemer Vertreter 1957 sogar in den Rang eines Erzbischofs erhob. 1976 wurde diese Position schließlich abgeschafft und durch die Gründung der neuen (anglikanischen) Protestantischen Episkopalkirche in Jerusalem und dem Nahen Osten und der Wahl und Weihung des ersten arabischen Bischofs in Jerusalem ersetzt. Diese Kirche ist die größte protestantische Gemeinde im Heiligen Land. Residenz des anglikanischen Bischofs in Jerusalem ist die Kathedrale des Heiligen Georg, die im Auftrag der Kirche von England durch einen Dekan unterhalten wird.

Nach Auflösung des englisch-preußischen Gemeinschaftsprojekts im Jahr 1886, gründete die deutsche lutherische Kirche eine unabhängige Vertretung in Jerusalem und dem Heiligen Land. Diese Gemeinde zog eine wachsende Zahl arabischsprachiger Mitglieder an, viele davon ehemalige Schüler der von deutsch-lutherischen Kirchen und Gesellschaften unterhaltenen Schulen und Institutionen. Seit 1979 hat die arabischsprachige Kongregation ihren eigenen Bischof und ist von der durch einen Probst vertretenen kleinen deutschsprachigen Gemeinde und der lutherischen Kirche in Deutschland unabhängig. Allerdings teilen sich die beiden Kleriker die Räumlichkeiten der Propstei an der Muristan-Straße in der Altstadt  von Jerusalem.

Weiter gibt es eine Reihe kleinerer dänischer, schwedischer und englischsprachiger lutherischer Gemeinden. Von den jeweiligen Mutterkirchen beauftragte Geistliche kümmern sich um das Wohl von deren Mitgliedern, die entweder in Israel wohnhaft oder zu Besuch sind. 1982 übertrug die norwegische Mission die Amtsgewalt und Verwaltung ihrer beiden Missionskirchen in Haifa und Jaffa in die Hände der örtlichen Gemeinden.

Die Aktivitäten der Baptistenkirche im Heiligen Land begannen 1911 mit der Gründung einer Gemeinde in Nazareth. Heute besteht der Verband der baptistischen  Kirchen aus 18 Kirchen und Zentren in Akko, Kana, Haifa, Jaffa, Jerusalem, Kfar-Yassif, Nazareth, Petach Tikwa, Rama Turan und andernorts. Der Großteil der Gemeindemitglieder ist arabischsprachig.

Die (presbyterianische) Kirche von Schottland entsandte ihre erste Mission im Jahre 1840 nach Galiläa, wo sie sich während der folgenden 100 Jahre aktiv in den Bereichen Erziehung und medizinische Versorgung engagierte. Heute unterhält die Kirche von Schottland nur noch eine kleine, vorwiegend aus Auswanderern bestehende Gemeinde mit jeweils einer Kirche und einem Hospiz für Pilger und Besucher in Jerusalem und Tiberias. Die unabhängige Edinburgher Medizinische Missionsgesellschaft betreibt in Nazareth ein Lehrhospital für Krankenschwestern.

Die Mormonen-Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage  gründete 1886 in Haifa eine kleine Gemeinde. 1972 kam eine weitere Gemeinde Jerusalem hinzu. Heute zählen zu deren Mitgliedern auch Studenten des Jerusalemer Zentrums für Nahoststudien, einer Zweigstelle der Brigham Young University in Provo, Utah (USA).

Abgesehen von den bereits genannten gibt es in Israel noch eine unbekannte Anzahl kleinerer Gruppen protestantischer Konfession.

Drei kommunale protestantische Landwirtschaftssiedlungen wurden in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen Regionen Israels gegründet. Das nördlich von Petach Tikwa gelegene Kfar HaBaptistim wurde 1955 ins Leben gerufen und bietet Konferenz- wie Ferienlagereinrichtungen für Baptisten und andere protestantische Gemeinden im Land. Ness Ammim bei Naharija wurde 1963 von einer Gruppe holländischer und deutscher Protestanten gegründet – als internationales Zentrum zur Förderung des christlichen Verständnisses Israels. Das nur wenige Kilometer westlich von Jerusalem gelegene Yad Hashmonah mit seinem Gästehaus für christliche Pilger und Besucher aus Finnland entstand 1971.

* * *

Die Internationale Christliche Botschaft in Jerusalem (ICEJ) wurde 1980 gegründet, als Symbol der weltweiten christlichen Unterstützung Israels und Jerusalems als dessen ewiger Hauptstadt. Es handelt sich um ein Zentrum, wo Christen aus aller Welt das Land nicht nur in seinem biblischen Kontext, sondern auch als moderne Nation zu verstehen lernen. Das weltweite Netz der ICEJ unterhält Büros und Vertretungen in 50 Ländern.


Religionsfreiheit

Die grundsätzliche Haltung des Staates zum religiösen Pluralismus kommt bereits in dessen Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahre 1948 zum Ausdruck:

»Der Staat Israel wird… auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestützt sein. Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, absolute soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird die Freiheit der Religion, des Gewissens, der Sprache, der Erziehung und Kultur gewährleisten.«

Das Dokument ist ein Ausdruck der Vision und des Credos dieser Nation, die Wahrung seiner Grundsätze ist gesetzlich garantiert. Jede religiöse Gemeinschaft hat das Recht auf freie Ausübung ihres Glaubens, die Einhaltung ihrer Feiertage und ihres wöchentlichen Ruhetages sowie Autonomie in der Regelung ihrer internen Belange.


Heilige Stätten

 
 

Via Dolorosa
 

In Israel gibt es zahlreiche Stätten, die allen drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) heilig sind. Der freie Zutritt zu all diesen ist gesetzlich geschützt, ebenso wie das Recht, dort Gottesdienste abzuhalten.

»Die Heiligen Stätten werden vor Entweihung und jeder anderen Verletzung geschützt, ebenso wie vor allem, was den freien Zugang der Mitglieder der verschiedenen Religionen zu ihnen heiligen Stätten oder ihre Gefühle hinsichtlich dieser Stätten verletzen könnte.« (Gesetz zum Schutz heiliger Stätten, 1967).

Zu den für die Christenheit wichtigen heiligen Stätten in Israel zählen die Via Dolorosa, der Raum des Letzten Abendmahls, die Grabeskirche in Jerusalem, die Verkündigungskirche in Nazareth, der Berg der Seligpreisungen sowie Tabgha und Kapernaum am See Genezareth.


Die Abteilung für christliche Gemeinden

Das Staat Israel vermeidet jede Einmischung in das religiöse Leben der christlichen Gemeinden. Die Abteilung für christliche Gemeinden im Innenministerium dient als Verbindungsbüro zu staatlichen Stellen und hilft den Gemeinden im Fall von Problemen und Anfragen, die sich aus ihrem Status als Minderheit im Land ergeben könnten. Darüber hinaus fungiert das Büro als neutraler Schiedsrichter, der für die Wahrung des erklärten Status quo an solchen Stätten zuständig ist, wo mehr als eine christliche Gemeinschaft Rechte und Privilegien besitzt.


"Anerkannte" Gemeinschaften

Bestimmte christliche Konfessionen besitzen den Status einer »anerkannten« Glaubensgemeinschaft. Aus historischen Gründen, die auf die Herrschaftszeit der Osmanen zurückgehen, wird den geistlichen Gerichten solcher Gemeinschaften die Jurisdiktion in Personenstandsfragen wie Eheschließungen und -scheidungen gewährt.

Zu den »anerkannten« christlichen Gemeinden zählen die griechisch-orthodoxe Kirche, die armenisch-orthodoxe Kirche, die syrisch-orthodoxe Kirche, die (lateinische) römisch-katholische Kirche, die Maroniten, die (melkitische) griechisch-katholische Kirche, die syrisch-katholische Kirche, die armenischen Katholiken, die chaldäisch-katholische Kirche und seit 1970 auch die anglikanische Episkopalkirche.

 
 
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