LogoAlt
 
MFADE     2000_2009     2000     Mar     Jerusalem - Nea-Kirche und Cardo

Jerusalem - Nea-Kirche und Cardo

 ARCHÄOLOGISCHE STÄTTEN IN ISRAEL

 INHALT | AKKO | BETHSAIDA | TABGHA | ROMISCHE BOOT | KURSI |
 TIBERIAS | BELVOIR | CASAREA | MARTYRIUS | GRABESKIRCHE |
 NEA-KIRCHE | KATHISMA | KIRCHEN IM NEGEV
 
     

Jerusalem - Nea-Kirche und Cardo

 
 

 

In byzantinischer Zeit (4.-7.Jh.) war Jerusalem eine christliche Stadt mit vielen Kirchen. Die wichtigste darunter war die Grabeskirche, die Kaiser Konstantin der Große zu Beginn des 4. Jahrhunderts an der traditionellen Stätte von Kreuzigung und Begräbnis Jesu hatte errichten lassen. Ein anderer großer Sakralbau der Christen war die Nea-Kirche, die Kaiser Justinian auf dem Höhepunkt der christlichen Ära Jerusalems Mitte des 6. Jahrhunderts hatte errichten lassen. Tausende christlicher Pilger kamen zu dieser Zeit nach Jerusalem und hinterließen viele schriftliche Beschreibungen der Stadt und ihrer heiligen Stätten. Doch das wichtigste Zeugnis des byzantinischen Jerusalems ist die berühmte Madaba-Karte, ein farbiges Mosaik, das Teil eines Kirchenfußbodens (im heutigen Jordanien) vom Ende des 6. Jahrhunderts war.

Die Karte bietet einen Blick auf Jerusalem aus der Vogelperspektive. Im Detail erscheinen die Mauern, Tore, die wichtigsten Straßenzüge und Kirchen der Stadt. Die Hauptstraße, der Cardo maximus (kurz Cardo genannt), war eine Kolonnade mit Säulen auf beiden Seiten, die die Stadt von Norden nach Süden - vom heutigen Damaskustor bis zum Zionstor - durchzog. Auf der Madaba-Karte erscheinen entlang des Cardos deutlich zwei große Kirchengebäude - die Grabeskirche im Norden und die Nea-Kirche am Südende des Cardos.

Die Madaba-Karte, die früheste kartographische Darstellung Jerusalems, leitete Archäologen auf ihrer Suche nach den Zeugnissen des byzantinischen Jerusalems. Nach der Wiedervereinigung der Stadt 1967 wurden Ausgrabungen im Jüdischen Viertel (im Südostteil der Altstadt) durchgeführt. Die Nea-Kirche und der Cardo wurden an den Stätten entdeckt, die die Madaba-Karte als ihre Lage hatte vermuten lassen.

Die Nea-Kirche

In Jerusalem baute er (Justinian) eine unvergleichliche Kirche zu Ehren der Jungfrau. Die Leute nennen diese Kirche die Neue Kirche (Nea), schrieb Prokopius, der Hofhistoriker Kaiser Justinians. Der vollständige Name des Heiligtums lautete Kirche der Gottesmutter Maria. Prokopius erzählt detailliert von ihrer Konstruktion und benennt die verschiedenen Bauten, die zu dem großen Kirchenkomplex gehört haben.

Teile der Kirche wurden auf dem Südhügel des Jüdischen Viertels in der Altstadt entdeckt. Sie stand auf einem massiven Podium, das von starken Steinmauern auf tiefem felsigen Grundgestein getragen wurde. Es war ein gewaltiger Bau, 115 m lang und 57 m breit, unterteilt durch vier Säulenreihen, die das mächtige Dach trugen. Die Ostwand hatte eine ganz außergewöhnliche Stärke (6,5 m) und enthielt Apsiden mit einem Durchmesser von 5 m. Marmorplatten bedeckten den Fußboden.

Auf der Südseite der Kirche, wo das Grundgestein am tiefsten ist, wurde ein sehr großes, vollständig erhaltenes unterirdisches Wasserreservoir gefunden. Einige der Anbauten der Kirche standen über diesem Reservoir von 33 x 17 m. Es ist in mehrere Gewölbe gegliedert, die von Bögen getragen werden, welche wiederum auf gewaltigen, 10 m hohen Pfeilern (5 x 3,5 m) ruhen. Das Innere des Reservoirs war mit einer dicken Schicht harten Putzes bedeckt; es hatte eine Kapazität von Tausenden Litern Wasser.

 
 

 

Eine überraschende Entdeckung war die Widmungsinschrift im Wasserreservoir. Die hoch oben in der Südmauer gefundene griechische Inschrift in roten Reliefbuchstaben liest:

Und dies ist das Werk, das unser frommer Kaiser Flavius Justinian in Freizügigkeit ausgeführt hat, unter der Sorge und Hingebung des hochheiligen Konstantins, Priester und Hegumenos, im 13. Jahr der Indiktion.
(Wahrscheinlich das Jahr 549-550)

Die Inschrift ist ein sicheres Zeugnis für die Identifizierung der Überreste der Nea-Kirche und ihrer auf der Madaba-Karte angezeigten Lage.

 
 

 

 

Der Cardo

Die Überreste der prächtigen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Kolonnadenstraße - des Cardo - wurden, der genauen Darstellung der Madaba-Karte entsprechend, im Zentrum des Jüdischen Viertels gefunden. Ein 200 m langer Abschnitt der Straße wurde 4 m unter dem heutigen Straßenniveau freigelegt. Der Nordteil der Straße ruhte auf mehreren Metern Erdfüllung, während das Südende auf nivelliertem Grundgestein lag, das auf seiner Westseite einen 6 m hohen Wall bildete.

Der Cardo war 22,5 m breit. Er wurde durch zwei Reihen steinerner Säulen in eine breite Straße und zwei 5 m breite, überdachte Passagen zu beiden Seiten gegliedert. Eine Konstruktion aus Holzbalken stützte das wahrscheinlich aus Keramikplatten bestehende Dach. Auf der Ostseite grenzte eine Arkade großer, von Quaderpfeilern getragener Bögen an die Straße. Geschäfte säumten die Kolonnaden in ihrem südwestlichen Abschnitt; weitere Geschäfte lagen hinter der Bogenarkade.

Fragmente monolithischer Säulen aus hartem Kalkstein, eingefügt in spätere Bauten, wurden gefunden. Die Säulenbasen hatten ein attisches Profil, während die Kapitelle in korinthischem Stil gearbeitet waren. Die 5 m hohen Säulen wurden in ihrer ursprünglichen Stellung im Cardo rekonstruiert. Die gut gearbeiteten Pflastersteine, die in langen Parallelreihen ausgelegt waren, wurden im Laufe der Zeiten glatt und brüchig.

Der südliche, im Jüdischen Viertel freigelegte Abschnitt des Cardo wurde während der Regierungszeit Kaiser Justinians (527-565) als Fortsetzung des früheren römischen Nordabschnittes angelegt. Hierdurch wurden die beiden Hauptkirchen des byzantinischen Jerusalem - die Grabeskirche und die Nea-Kirche - miteinander verbunden.

Auf dem rekonstruierten Abschnitt des Cardo kann man heute spazieren wie die Menschen vor 1500 Jahren. Im 12. Jahrhundert errichteten die Kreuzfahrer einen überdachten Bazar über einem Abschnitt des Cardo; hier wurden die Trümmer der Jahrhunderte fortgeräumt, und moderne Geschäfte bieten ihre Waren den Käufern an.

Die Überreste der Nea-Kirche und des Cardo wurden von N. Avigad für die Hebräische Universität Jerusalem ausgegraben.

 

E-mail to a friend
Print the article
Add to my bookmarks
Also available in
  English
  Spanish
  French
  Portuguese
   
 
   
 
     Hebrew     
 
Copyright ©2004 The State of Israel. All rights reserved   Terms of use   Use of cookies